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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

50 Jahre Kamen

Der steinige Weg zu einer gemeinsamen Stadt

Von Carsten Janecke, 07.02.2018
Der steinige Weg zu einer gemeinsamen Stadt © Stefan Milk
Bevor die Schilder ausgetauscht werden konnten, hatten sich offenbar Befürworter der „neuen“ Stadt K ...

Kamen. Vor der Gründung der neuen Stadt Kamen wollten Methler und Heeren-Werve selbstständig bleiben oder sich anderen Kommunen anschließen. „Nicht alle kamen frohen Herzens“, hieß es damals.

Vielleicht ist die Bezeichnung ein wenig respektlos, doch wenn auf jemanden der Begriff „alter Hase“ zutrifft, im besten Sinne versteht sich, dann ist es Hanno Peppmeier. Der 64-jährige Stadtsprecher, der schon mehrfach einem möglichen Ruhestand widerstanden hat, sortiert gerade die historischen Bilder, die er verwenden will, um den Blick auf das 50-jährige Bestehen der Stadt Kamen zu lenken. Man kann seinem Zeigefinger kaum folgen, so schnell gleitet dieser über die im Jahr 1968 abgelichteten Akteure. Peppmeier kennt sie noch alle, selbst die Hinterbänkler. Er runzelt die Stirn: „Sieh‘ an, da sitzt der Egon Pöhler noch nicht in der ersten Reihe.“

Jahrelange Debatten
Egon Pöhler (SPD) war in vielen Funktionen einer der Protagonisten, die später das Gesicht der neuen Stadt Kamen geprägt haben. Im Jahr 1968 allerdings saßen noch andere in der ersten Reihe, wie Bürgermeister Arthur Blümel und Stadtdirektor Fritz Rethage. Sie tagten in der Turnhalle der Friedrich-Ebert-Schule, saßen vor Sprossenwänden, die bis zur Hallendecke reichten, und spärlich lichtdurchlässigen Glasbausteinen, weil das Alte Rathaus für das größere Stadtparlament keinen Raum bot und das neue Rathaus erst im Jahr 1976 bezogen wurde. Peppmeier zieht ein Schwarzweiß-Bild hervor. „Da sitzt Fritz Werner, der damalige Schul- und Sozialdezernent. Und das ist Karl-Heinz Meister von den Stadtwerken Kamen. Die GSW gab es damals ja noch nicht.“

Den ersten Sitzungen des neuen Stadtparlaments waren jahrelange Debatten vorangegangen, wie denn die neue kommunale „Raumaufteilung“ – ein Begriff, den man heute eher von Innenarchitekten oder vom Fußballplatz kennt – vollzogen werden sollte. „Nicht alle kommen frohen Herzens“, so titelte unsere Zeitung in der Weihnachtsausgabe im Jahr 1967, als unser Redakteur Rolf Helmbold die Situation analysierte. Die Kamener, so schrieb er damals, fühlten sich ins Hintertreffen geraten, weil sich ein alter Wunsch, mit Bergkamen, Overberge und Weddinghofen den Kern einer neuen Großstadt zu bilden, nicht mehr erfüllen ließ, denn die Grenzen für die „neue“ Stadt Bergkamen waren schon festgelegt. In den von den Planern zur weiteren Ausdehnung zugewiesenen Gebieten östlich und westlich der Stadt erzeugte man nicht nur Jubelrufe. Heeren-Werve und Methler, das gerade erst aus den kleinen Gemeinden Methler, Westick und Wasserkurl zusammengewachsen war, plädierten für ihre Selbstständigkeit. Nur Südkamen, Rottum und Derne votierten für den Zusammenschluss, als die Auflösungserscheinungen in den Ämtern Unna-Kamen und Pelkum immer deutlicher wurden. Und auch Lerche wollte sich diesem Raum anschließen. „Doch diese Gemeinde“, so schrieb Helmbold, „wurde bedauerlicherweise vom Gesetzgeber dem neuen Pelkum zugeordnet.“

Geografischer Widerspruch
Der steinige Weg zu einer gemeinsamen Stadt © Stefan Milk
Für die Jubiläumsfestivitäten zum 50. Stadtgeburtstag sortiert Stadtsprecher Hanno Peppmeier histori ...
Lerche, jetzt zu Hamm zählend, spielt aber auch heute noch eine Rolle für Kamen. Die Bürger dort fühlen sich nach wie vor der Stadt verbunden, nicht zuletzt, weil Lerche mit seiner identitätsstiftenden Kapelle auch Teil der Ev. Kirchengemeinde Kamen ist. Wenn noch geografische Widersprüchlichkeiten der Kommunalreform von einst vorhanden sind, dann findet man sie in diesem Hammer Ortsteil, in dem das Herz der Stadt Kamen schlägt.

Das war in Methler nicht von Anfang an so. In dem Ortsteil verwies man immer wieder auf bauliche, historische, funktionale Verflechtungen mit den Dortmunder Ortsteilen Husen und Kurl. Die Dortmunder, so die Argumente, nutzten in Methler Freibad, Volkshochschule, Jugendheim und Sportstätten, die Methleraner im Gegenzug das Kurler Krankenhaus. Methler sah sich als zusammengehörige Nahversorgungseinheit mit Husen und Kurl. Als Methler Kamen zugeschlagen wurde, äußerte der damalige Bürgermeister Rudi Hänseroth: „Da muss Husen und Kurl in der zweiten Stufe eben auch zu Kamen.“

Soweit ist es bekanntlich nicht gekommen. Methler wie auch alle anderen Ortsteile sind zu festen Bestandteilen der neuen, jetzt 50 Jahre alten Stadt Kamen geworden. So sieht es zumindest Hanno Peppmeier, jener „alte Hase“, der seine Karriere 1979 im Rathaus begann, elf Jahre nach dem Zusammenschluss der Gemeinden. „Ich habe es kaum erlebt, dass es dann noch Vorbehalte gab, abgesehen einiger launiger Sprüche“, sagt er, als er den ehemaligen Stadtdirektor Gerhard Bönker auf einem der Bilder ausgemacht hat. „Die Stadt Kamen – sie ist, so meine ich, fortan zu einer guten Einheit gewachsen!“

Neue Grenzen seit 1968

Kamen hat seine heutigen Stadtgrenzen seit 1968. Eine 1967 vom Landtag beschlossene Gebietsreform regelte die Neugliederung des Landkreises Unna – und damit den Zusammenschluss der Stadt Kamen und der Gemeinden Derne, Heeren-Werve, Methler, Rottum und Südkamen.

Das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Unna wurde am 19. Dezember 1967 verkündet. Der Landrat damals war Hubert Biernat, ein Heeren-Werver.

Jubel, Trubel und wohl auch Heiterkeit

Ein großes Jubelfest, verteilt auf mindestens ein Dutzend Termine, soll in diesem Jahr das Gemeinschaftsgefühl der Kamener stärken. Auftakt ist mit einer Sondersitzung des Stadtrates am 11. März in der Stadthalle. Weitere Jubel-Termine, mal politisch, mal künstlerisch, mal familienfreundlich geprägt, folgen über das ganze Jahr. Dazu zählen eine Sternwanderung in Anlehnung an den jährlich stattfindenden Schnadegang (14. April), eine Ausstellung „Europa ohne Schlagbaum“ (14. bis 18. Mai) und ein Musikschulfest in Verbindung mit dem Tag des Liedes (16. Juni). Die Einweihung des Bürgersaals, der sich zurzeit in der Sanierung befindet, soll am 8. Juli ein Glanzlicht des Jubiläumsprogramms bilden. Etwa 500 Gäste aus Politik, Verwaltung und weiteren Gruppen werden zu dem Termin erwartet; davon werden allerdings nicht alle in den neuen Saal passen. Dort sollen etwa 120 Personen an dem Festakt teilnehmen. Es folgt am 22. September ein Familienfest, das sich vom Alten Markt über den neuen Sesekepark und Postpark bis zum Rathaus erstrecken wird.

Musikalisch-festlich wird es am 29. September mit der Aufführung der „Carmina Burana“, an der sich der Oratorienchor und weitere Chöre der Stadt beteiligen. Die Proben haben Samstag begonnen (wir berichteten). Der Tag des Ehrenamts am 5. Dezember schließt das Jubelfest ab.

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