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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

Alkoholsucht

Bewährungsprobe: Weihnachtsmarkt

Von Philipp Stenger, 06.12.2017
Bewährungsprobe: Weihnachtsmarkt © picture alliance / dpa
Eine Tasse Glühwein zu trinken gehört für viele Menschen einfach zu einem Besuch auf dem Weihnachtsm ...

Kreis Unna. Das gesellige Familienessen, der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, ein schon lange geplantes Treffen mit alten Freunden. So genießen viele Menschen im Kreis die Advents- und Weihnachtszeit – gerne auch mit einem Schluck Bier, Glühwein oder Schnaps. Gerade in dieser Zeit ergeben sich viele Möglichkeiten, Alkohol zu trinken. Für viele Menschen ist das nicht problematisch – für suchtkranke Menschen kann das alles aber zur Bewährungsprobe werden.

„Alkohol als Droge ist Teil unserer Feierkultur“, erklärt Dr. Matthias Cleef, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Kreis Unna, die schwierige Situation für Suchtkranke. „Sucht ist eine Erkrankung“, sagt Cleef weiter.

Die Gründe, warum jemand abhängig wird, seien dabei so unterschiedlich „wie die Menschen bunt und unterschiedlich sind“, so Cleef. Dennoch lassen sich Faktoren ausmachen, die eine Sucht begünstigen können.

Zum einen ist Belastung ein wichtiger Punkt. Menschen können viel Stress in der Familie, im Job oder im Leben allgemein haben. Dieser Stress lässt manche Menschen zur Flasche greifen, die im Alkohol eine kurzzeitige Verbesserung ihrer Gefühlslage suchen. Natürlich führe starke Belastung, so Cleef, aber nicht zwangsläufig zum Griff zur Flasche oder gar zu einer Suchterkrankung. Ein anderer Punkt ist das Abhängigkeitspotenzial der Drogen selbst, eine Gefahr, die natürlich auch für die Droge Alkohol gelte.

Das Problem der Sucht, speziell der Alkoholsucht, ziehe sich quer durch alle Gesellschaftsschichten. Cleef geht sogar so weit, Alkoholsucht als Volkskrankheit zu beschreiben.

Warnzeichen für die Sucht gebe es viele. Besonders ausschlaggebend sei laut Cleef der regelmäßige Konsum einer Substanz. Wenn sogar täglich Alkohol getrunken werde, sei das problematisch, vor allem, wenn das Fortlassen des täglichen Bieres Schwierigkeiten bereitet oder von Anfang an auf großes Missfallen stößt.

Hilfe wahrnehmen
Häufig sei es sowieso das Umfeld, das die Betroffenen auf eine mögliche Sucht anspricht, meint Cleef. Oft sei es dann sinnvoll, eine der vielen Beratungsstellen im Kreis aufzusuchen (siehe Infobox unten). Hier finden die Betroffenen Experten, die das Problem einschätzen können. Darüber unterstützen die Beratungsstellen suchtkranke Menschen dabei, ihre Abhängigkeit in den Griff zu bekommen. Auch Selbsthilfegruppen seien laut Cleef eine sehr sinnvolle und wirksame Einrichtung, besonders um die Sucht langfristig unter Kontrolle zu halten.

Cleef erzählt, dass es im Kreis Unna allein mit Blick auf die Alkoholsucht 35 solcher Gruppen gebe.

Praktische Ratschläge
Allen Alkoholsüchtigen rät Cleef schließlich, mit einem gewissen Problembewusstsein durch die Advents- und Weihnachtszeit zu gehen. Eine Haltung nach dem Motto „kann man ja mal machen“ oder „das wird schon klappen“ sei hier fehl am Platz. Zudem sei es hilfreich, von seinem direkten Umfeld unterstützt zu werden. So könne man etwa mit Freunden, die von der Sucht wissen, über den Weihnachtsmarkt schlendern und so den Anreizen durch den Alkohol gemeinsam entkommen.

Zahlen und Fakten zur Alkoholsucht

Im Kreis Unna sind laut Dr. Matthias Cleef im vergangenen Jahr 821 Menschen in die Beratungsstellen des Kreises gegangen.

Hierzu zählen aber nicht nur Menschen mit Alkoholsucht, sondern auch Personen mit sogenannten stoffungebundene Süchten, etwa der Spielsucht.

In den Beratungsstellen ist der Anteil der Männer (im Jahr 2016 rund 60 Prozent) etwas größer als der der Frauen (rund 40 Prozent).

Viele Angebote für Suchtkranke im Kreis Unna

Menschen, die süchtig sind und etwas dagegen unternehmen möchten, finden im Kreis Unna ein vielfältiges Hilfsangebot. Die jeweiligen Kontaktdaten finden Interessierte im Beratungsführer Suchthilfe des Kreises. Dieser wurde großflächig im Kreis verteilt und liegt etwa in Unna im Gesundheitshaus, Massener Straße 35, und in der Diakonie, Mozartstraße 18, aus. Der Beratungsführer kann aber auch im Internet auf der Seite des Kreises abgerufen werden. Hierfür können Interessierte einfach auf der Seite www.kreis-unna.de den Suchbegriff „Hilfen für Suchtkranke“ eingeben.

Vertreter der Beratungsstellen, der Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe und die Ansprechpartner der Selbsthilfegruppen treffen sich zudem in regelmäßigen Abständen in einem der Regional-Teams im Kreis. Wer sich als Vertreter eines Hilfsangebots hieran beteiligen möchte, kann sich beim Kreis Unna bei Nicole Bußmann melden unter 02303/271729 oder unter der Emailadresse nicole.bussmann@kreis-unna.de

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