Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Rassismus gegen Angestellten des Kirchenkreises

Flüchtlingshelfer wehrt sich gegen Anfeindungen

Von Stephanie Tatenhorst, 12.02.2018
Flüchtlingshelfer wehrt sich gegen Anfeindungen © Tatenhorst
Olivier Joel Zombou ist Koordinator für die Flüchtlingsarbeit beim Evangelischen Kirchenkreis Unna. ...

Kreis Unna. „Ich bin stolz darauf, dieser erste Neger zu sein.“ Mit so viel Humor reagiert Olivier Joel Zombou auf einen niederträchtigen Angriff, der seit einiger Zeit im Internet gegen ihn zu finden ist.

Eine eindeutig rechtsradikal geprägte Seite mit Ursprung in Österreich hat eine Pressemitteilung des Kirchenkreises Unna umgeschrieben und mit der Überschrift „Erste Neger haben schon die evangelische Kirche übernommen“ versehen. Die Kommentare darunter sind nicht besser.

„Es ist nicht das erste Mal, dass ich Opfer von Rassismus werde. Den gibt es überall“, erzählt Zombou, der als Koordinator für die Flüchtlingsarbeit und das Ehrenamt beim Evangelischen Kirchenkreis Unna angestellt ist. Der jüngsten verbalen Attacke stellt sich Zombou aber ganz bewusst öffentlich und verkriecht sich nicht aus Angst vor persönlichen Übergriffen: „Wenn ich mich jetzt verschanzen würde, wäre das fatal. Ich bin Bürger, ich zahle Steuern – und ohne Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gäbe es auch keine Partizipation“, erklärt der Mann, der in einem katholischen Elternhaus in Afrika aufwuchs.

Text umgeschrieben

Bei dem Angriff geht es nicht allein um ihn, sondern auch um die Flüchtlingshilfe. Worte aus der Original-Pressemitteilung des Kirchenkreises wurden durchgestrichen und durch andere ersetzt. Aus Flüchtlingshelfern wurden „Beihelfer für illegalen Aufenthalt“, die darüber hinaus als „grünverstrahlte Linksfaschisten“ beschimpft werden. Es geht nicht nur darum, dass Zombou eine dunkle Hautfarbe hat, sondern es geht um die Arbeit, die er leistet – und mit ihm viele andere.

„Das ist alles sehr widerlich, was da geschrieben steht“, sagt Dietrich Schneider, Sprecher des Kirchenkreises Unna, dem einige dieser Worte zum Teil in direkten Zitaten in den Mund gelegt wurden.

Zombou will die bösen Worte nicht weitertragen, er will sich ihnen entgegenstellen. Öffentlich. „So erhalte ich Rückendeckung. Sonst lebe ich nur alleine damit.“ Er will auf das aufmerksam machen, wovon er selbst nur erfuhr, weil ihn ein Freund bei Google suchte. Etliche Menschen unterstützen ihn dabei, etlichen gefällt sein Beitrag auf Facebook, unter anderem der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer. „Rassismus ist für mich reine Dummheit“, sagt Schäfer. „Allerdings ist er gefährlich für eine Gesellschaft.“ Es sei deshalb richtig und wichtig, dass man Rassismus öffentlich mache, und sich auch öffentlich dagegen wehre.

Rückendeckung

Der Kirchenkreis hat rechtliche Schritte eingeleitet: „Olivier Joel Zombou ist in seiner Funktion angegangen worden“, erklärt Kirchenkreis-Sprecher Dietrich Schneider. „Es ist in jedem Fall unser Ansinnen, das nicht unkommentiert zu lassen. Wir stellen uns deutlich an die Seite unseres Mitarbeiters.“

Auch die Initiative „Jugendliche ohne Grenzen“ in Hamm stellt sich hinter ihren ehrenamtlichen Helfer, denn regelmäßig bietet Olivier Joel Zombou hier Beratungsgespräche an. „Er ist unser Demokratie-Trainer. Wir müssen die Gesellschaft hier schützen“, sagt Nellie Foumba, Bundessprecher der Initiative. „Wir zeigen klare Kante gegen Rechts, sagen Nein zu Rassismus, Hass und Ausgrenzung – und wir stellen uns gegen dieses barbarische Verhalten gegen Herrn Zombou“, sagt auch Landeskoordinatorin Bintou Bojang.

„Ich liebe meinen Job“

Als das gibt Olivier Joel Zombou Rückhalt. „Ich bleibe souverän, denn es gibt Leute, die meine Arbeit wertschätzen“, sagt er. Warum gerade er in den Fokus der Rassisten geriet, weiß Zombou nicht. „Ich hoffe nur, dass die Seite gesperrt wird und die Leute dahinter ermittelt werden.“

Er selbst hat seinen Weg gegen Rassismus gefunden. Und dabei bleibt es, wie Zombou beteuert: „Ich liebe meinen Job. Das Vertrauen des Evangelischen Kirchenkreises Unna ist und bleibt ein Geschenk Gottes. Wir sind alle nur Menschen.“

Kommentare


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.