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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

Hellweg-Realschule

Stadt klärt auf über Gründe für Schulneubau

Von Thomas Raulf, 09.02.2018
Stadt klärt auf über Gründe für Schulneubau © Marcel Drawe
Das Gebäude der Hellweg-Realschule in Massen ist mit verschiedenen Schadstoffen belastet. Das ist ni ...

Massen. Schadstofffunde stiften Unruhe an der Hellweg-Realschule. Sie erscheint unbegründet. Nicht Gift löste Neubaupläne aus, sondern Pädagogik.

Die Stadt wollte am Donnerstag eigentlich gute Nachrichten über den Schulstandort Massen verkünden: Ein Neubau mit all seinen Vorteilen wird geplant. Aber nun hat das Rathaus den Eindruck, dass eher eine Hiobsbotschaft angekommen ist: Offenbar herrscht in Teilen der Elternschaft der Hellweg-Realschule (HRS) Unruhe aufgrund der Schadstoffbelastung des Gebäudes. Nun sind Stadt und Schule bemüht um Beruhigung und Transparenz.

Wie berichtet liegen der Stadtverwaltung seit Dezember 2017 Ergebnisse einer Untersuchung der Bausubstanz der HRS vor. Diese Untersuchung hatte die Stadt parallel zur Ermittlung des Raumbedarfs aus pädagogischen Überlegungen beauftragt.

Zusammengefasst sind die Ergebnisse in einer Drucksache aus dem Rathaus aufgeführt: Zur Gebäudesubstanz heißt es: Das Gebäude sei „flächendeckend mit Schadstoffen belastet“. Es handele sich um Asbest, künstliche Mineralfasern und PCB. Diese Stoffe wurden in früheren Jahrzehnten regelmäßig beim Bauen eingesetzt. Inzwischen gelten sie als giftig. In den Gebäuden der HRS stecken sie „in nahezu allen Bauteilen wie Wänden, Decken und Fugen“, wie die Stadt in ihrer Vorlage ausführt. Aber die Schadstoffe seien in einem gebundenen Zustand. „Sie stellen nach heutigen Erkenntnissen zur Zeit keine Gefährdung dar.“ Sprich: Die Stoffe sind fest verbaut. Solange niemand beispielsweise eine Wand aufbohrt oder einreißt, werden sie nicht freigesetzt, weswegen eine Gesundheitsgefährdung für Schüler und Lehrer ausgeschlossen wird.

Kein Handlungsdruck

Deswegen seien diese Schadstofffunde auch nicht der ausschlaggebende Grund dafür, einen Schulneubau zu planen, wie die Beigeordnete Kerstin Heidler am Freitag noch einmal betonte. „Es geht nicht darum, dass wir die Schüler da rausbekommen müssen.“ Vielmehr sei bei den pädagogischen Vorüberlegungen für Ausbau und Sanierung der Massener Realschule herausgekommen, dass der gesamte Gebäudebestand verändert werden müsste. Und dabei hätten nun die Schadstoffe eine Rolle gespielt. Gebäudeteile hätten mit erheblichem Aufwand, teils in Handarbeit ausgebaut werden müssen. Aufgrund der Schadstoffbelastung wäre ein Arbeiten mit Schwarz- und Weißbereichen vorgeschrieben gewesen, also mit einer strikten Trennung sauberer und belasteter Bereiche. Im Ergebnis wäre die Sanierung laut städtischer Schätzung über sechs Millionen Euro teurer als ursprünglich vorgesehen – daher nun die Überlegung, einen Neubau zu planen. Wie berichtet soll dieser 20 Millionen Euro kosten, eine Sanierung würde mit 17,7 Millionen zu Buche schlagen.

Unterricht ohne Störung

Folgt die Politik dem Verwaltungsvorschlag, einen Realschulneubau auf dem Ex-Freizeitbad-Gelände hochzuziehen, dann müssten Schüler und Lehrer den aufwendigen Umbau während des laufenden Betriebs nicht ertragen. Schon während einer Pressekonferenz am Donnerstag erinnerte die Verwaltung an der Procedere im Schulzentrum Nord. Gymnasium und Gesamtschule in Königsborn werden seit Jahren in insgesamt 21 Abschnitten saniert. Die Erfahrung zeige: Es sei möglich, aber aufwendig, Baumaßnahmen mit dem Schulbetrieb zu koordinieren.

In Königsborn war Raumluft belastet

Schadstoffe in öffentlichen Gebäuden, insbesondere in Schulen, sind immer wieder ein Thema, das die Stadt Unna als Schulträgerin beschäftigt. So kann auch der Gutachter, auf den die Verwaltung in solchen Fällen zurückgreift, schon auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Man arbeite seit 1998 zusammen, sagte Verwaltungssprecher Oliver Böer.

Schadstoffe waren auch ein Problem in der Anne-Frank-Realschule in Königsborn. Diese beendet bekanntlich ihren Betrieb zum Ende des aktuellen Schuljahrs. Schüler, die dann noch nicht im Abschlussjahrgang waren, wechseln zur Massener Realschule. Die Schadstoffbelastung der Königsborner Schule aber war offenbar eine andere. Dort war auch PCB gefunden worden. Aber Messungen hätten in bestimmten Räumen der AFR tatsächlich eine Raumluftbelastung bestätigt, so Stadtsprecher Böer.

Stadt klärt auf über Gründe für Schulneubau © Borys Sarad
Im Gebäude der Anne-Frank-Realschule wurden schon vor Jahren teils Räume gesperrt wegen Schadstoffbe ...

Deswegen seien dort Räume geschlossen worden. Der Schulbetrieb läuft seitdem teilweise in Containern. Solche Messungen in der Hellweg-Realschule hingegen hätten bisher unbedenkliche Werte ergeben. „Deswegen haben wir in Massen auch keinen akuten Handlungsbedarf“, sagt Böer.

Übrigens: Auch an einem anderen Standort der Schulstadt Unna ist Schadstoffbelastung ein aktuelles Thema. In diesem Jahr sollen Dach und Fassade eines Trakts der Peter-Weiss-Gesamtschule saniert werden. Und in den Außenwänden dieses Gebäude aus dem Jahr 1971 ist Asbest, wie die Stadt bestätigte. Die Sanierungsarbeiten sollen im laufenden Schulbetrieb erfolgen.

Gutachter hilftbei der Aufklärung

Ausgerechnet in der Anmeldephase für den nächsten Jahrgang 5 kann die Hellweg-Realschule Sorgen um Schadstoffe sicher nicht gut gebrauchen. Dass diese unbegründet sind, wollen Stadt und Schule nun auch mit Hilfe ihres Fachgutachters untermauern. Nachdem am Freitag schon einige Anrufe besorgter Eltern eingegangen waren, organisierte die Stadt kurzfristig ein Gespräch mit der Schulleitung und dem Schadstoffgutachter. Auf ihrer Internetseite informiert die Schule über den aktuellen Stand. Gleiches passiert in Form von Elternbriefen.

Man werde die Schule unterstützen und wolle offen und transparent informieren, versprach Oliver Böer als Sprecher der Stadtverwaltung.

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