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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

Umdenken in der Schulplanung

Stadt will Realschule und zwei Grundschulen verlegen

Von Thomas Raulf, 08.02.2018
Stadt will Realschule und zwei Grundschulen verlegen © UDO HENNES
Die Hellweg-Realschule soll auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitbades neu gebaut werden. Foto: He ...

Unna. Moderner Unterricht ist besser umsetzbar in neuen Gebäuden als in sanierten Altbauten. Mit diesem Grundgedanken regt die Stadtverwaltung an, Schulplanung neu zu denken: mit einer Realschule auf dem Freizeitbad-Gelände und einem Grundschulneubau, der nicht nur die Falkschule, sondern auch die Nicolaischule ersetzt.

Nur einen Kilometer vom heutigen Standort der Hellweg-Realschule entfernt liegt eine Brachfläche, für die es schon Verwertungsvorschläge gab, die aber verworfen wurden. Ein neuer, den die Stadt jetzt vorstellt, könnte vielleicht die größten Chancen haben. Die Hellweg-Realschule soll auf dem Freizeitbadgelände neu gebaut werden. Ein modernes Schulgebäude sei am besten geeignet, moderner Pädagogik Raum zu bieten, sagt die für Schule zuständige Beigeordnete Kerstin Heidler.

Bekanntlich haben Stadt, Realschulleitung und ein Planungsbüro in einer so genannten „Phase 0“ geplant, wie Unterricht in der Realschule nach neuen pädagogischen Maßstäben gestaltet werden soll und was für Räume dafür nötig sind. Der bisher verfolgte Plan sah eine Sanierung und Erweiterung an der Königsborner Straße vor. Im Altbestand sei man aber einigen Restriktionen unterworfen, so Heidler. Und diese Zwänge eines Altbaus, schlägt sie nun vor, sollte die Stadt über Bord werfen. Die Schule brauche Differenzierungsräume für die inklusive Beschulung Behinderter, aber auch für Sprach- und andere Förderung. All dies sei in einem von Grund auf neu geplanten Gebäude besser umzusetzen. Es könnte 2023 fertig sein.

20 Millionen Euro
Die Verwaltung schätzt die Kosten dafür auf 20 Millionen Euro. Im Vergleich zur Sanierung ist das teurer. Aber der Unterschied ist inzwischen sehr viel kleiner geworden, denn die Grobkonzeptplanung für die HRS hat sich innerhalb von zwei Jahren um 6,3 Millionen Euro verteuert. Auf 11,4 Millionen Euro hatte die Verwaltung das Sanierungs- und Ausbauprojekt einst geschätzt, jetzt wären es 17,7 Millionen Euro.

Ein Grund ist derselbe wie bei der Stadthalle, deren Sanierung wie berichtet auch erheblich teurer wird: Schadstoffe. In den HRS-Gebäuden, errichtet 1966 und 1977, erweitert 1999, stecken Asbest, künstliche Mineralfasern und PCB. Das sind Ergebnisse von Untersuchungen, die seit Dezember 2017 vorliegen. Für den Schulbetrieb seien diese Stoffe unproblematisch, sagte der Technische Beigeordnete Ralf Kampmann. Das Sanierungskonzept aber sah vor, jeden Raum umzubauen, diese Eingriffe in die Substanz seien wegen der Giftstoffe aufwendig und teuer. Es sei deswegen mit Zusatzkosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro zu rechnen. Außerdem braucht die Realschule nun noch mehr Platz. Ein Ergebnis der pädagogischen Vorüberlegungen („Phase 0“) ist ein um 1200 Quadratmeter gewachsener Flächenbedarf. Dieser führt zu Mehrkosten in Höhe von voraussichtlich 2,9 Millionen Euro. Insgesamt sei es „unsinnig und unwirtschaftlich, in ein altes Gebäude so viel zu investieren“, so Kampmann.

Stadt: Badfläche geeignet
Die Fläche des 2012 abgerissenen Freizeitbads ist seitdem ohne Nutzung, von Weidevieh abgesehen. Aus Sicht der Stadt erscheint sie für einen Realschulneubau ideal: Über das Land, das für die Schule infrage kommt, kann die Stadt als Eigentümerin frei verfügen. Es ist mit 26.000 Quadratmetern auch größer als das aktuelle Realschulgrundstück an der Königsborner Straße. Ihr heutiges Einzugsgebiet würde die Realschule bei einer Entfernung von einem Kilometer zwischen Alt- und Neustandort nicht verlassen. Die Lage an der Einflugschneise des Dortmunder Flughafens ist für Kampmann auch unproblematisch. Die Fläche liege juristisch betrachtet außerhalb der Fluglärmzone. „Natürlich ist dort der Fluglärm zu hören“, sagt Kampmann. Aber er erinnert daran, dass die Sonnenschule mitten in besagter Lärmzone liege. Der Schulbetrieb dort sei seit einer lärmtechnischen Sanierung unproblematisch. Und schließlich müsse in einer Schule ja nachts niemand schlafen.

Neubau am Hertinger Tor ersetzt Falk- und Nicolaischule

Vor zweieinhalb Jahren noch hatte die Stadt Überlegungen zum Standort Nicolaischule zu den Akten gelegt. Jetzt nimmt sie sie wieder auf. Der zweite überraschende und weitreichende Vorschlag zum Umdenken in der Schulplanung betrifft den Schulneubau für die Innenstadt. Der Standort auf dem ehemaligen Sportplatz am Hertinger Tor steht bereits fest. Er wurde teils schon vorbereitet, indem schadstoffbelasteter Boden entfernt wurde. Neu ist nun die Überlegung, dort eine dreizügige anstelle einer zweizügigen Grundschule zu bauen. Neben dem Standort der Falkschule soll auch der der Nicolaischule aufgegeben werden, wie die Verwaltung vorschlägt. Die einzügige Nicolaischule habe im Moment noch stabile Schülerzahlen. Es sei aber damit zu rechnen, dass dieser Standort unattraktiver würde, wenn am Hertinger Tor eine moderne Grundschule in Betrieb gehe, erklärte die Beigeordnete Kerstin Heidler. „Wir würden die Nicolaischule wahrscheinlich sehenden Auges leerlaufen lassen.“ Außerdem habe der jüngste Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt bestätigt, dass die Stadt Unna zu viel Grundschulkapazität vorhalte. Falkschule und Nicolaischule sind beide über 100 Jahre alt. Energetische Sanierung und Umbauten für inklusiven Unterricht sind an beiden Gebäuden nötig.

Stadt will Realschule und zwei Grundschulen verlegen © UDO HENNES
Auf dem alten Sportplatz zwischen Hertinger- und Brockhausstraße soll eine neue Grundschule entstehe ...

Im Neubau wäre alles auf dem modernsten Stand. Im selben Gebäude ist nach wie vor auch die Einrichtung eines Kindergartens geplant. Das SPI-Familienzentrum soll mit seiner Nachbarin, der Falkschule mit umziehen zur Brockhausstraße. Kita und Schule sollen sich den Eingang und beispielsweise eine Aula oder ein Foyer teilen. Auch bei der Nachmittagsbetreuung will man Synergien nutzen: Der Offene Ganztag (OGS), für den alle bisherigen Grundschulen provisorisch erweitert werden oder wurden, wird im Neubau mitgeplant. Kita und OGS sollen mit der SPI denselben Träger haben.

Die neue Grundschule würde später fertig als der Neubau der Realschule in Massen. Eine erste Schätzung, auf die sich die Stadt nicht festnageln lassen möchte, lautet 2025. Die Schüler, die am Hertinger Tor lernen würden, gibt es noch nicht.

Kommentar der Redaktion

Kurze Beine, weitere Wege

Von Thomas Raulf

Ein Neubau in der südlichen Innenstadt, in dem auch die Nicolaischule aufgeht? Diesen Plan gab es schon einmal, und die Stadt hatte ihn Ende 2013 aufgegeben. Aus damals gemachten Fehlern müssen die Verantwortlichen von heute und morgen Lehren ziehen. Die Planung für ein „Grundschulzentrum“ hatte auch die Katharinenschule mit einbezogen, deren Standort nun in der neuen Verwaltungsidee nicht mehr zur Diskussion steht. Ansonsten sind die Ideen die gleichen, und sie waren schon damals an vielen Stellen vernünftig. Ein sanierter Altbau bleibt ein Altbau, gute Lernbedingungen auch für behinderte Schüler sind in über 100 Jahre alten Schulen nur mit großem Aufwand zu erreichen. Und moderner Unterricht hat in modernen Räumen bessere Chancen, vor allem, was Differenzierung angeht.

Allerdings sind auch jetzt die gleichen Fragen zu klären und Sorgen zu nehmen. Da ist vor allem der Schulweg. Die Nicolaischule ist die nördlichste Grundschule von Unna-Mitte. Wird sie aufgegeben, gibt es innerhalb des Rings keine Grundschule mehr. Nach der Kindergartenzeit müssten also die i-Männchen aus der ganzen Innenstadt zur Katharinenschule oder bis kurz vor die B1. Das Konzept „Kurze Beine, kurze Wege“ wäre so für viele schwerer umzusetzen.

Vor allem muss die Stadt die Bürger beim nun wohl anstehenden Planungsprozess mitnehmen. Wie sehr die Menschen sogar an der kleinen, alten Nicolaischule am Nordring hängen, das hatten Politik und Verwaltung seinerzeit beim Thema Grundschulzentrum unterschätzt, wie der Bürgermeister selbst hinterher zugab. Er hatte es plötzlich sogar mit einer Elterninitiative gegen das neue Schulzentrum zu tun.

Aus diesen Fehlern muss die Stadt für ihre neue Planung Lehren ziehen und die Bürger früh einbeziehen. Die jetzigen Schulfamilien betrifft das nicht mehr. Die Kinder, die am Hertinger Tor zur Schule gehen werden, sind noch nicht geboren. Für ihre Nachfolger und deren Familien muss jetzt mitgedacht werden.

Kommentare

Jens Korbmacher 09.02.201810:22 Uhr

Genau das ist auch mein Gedanke.
Das Hellweg-Schwimmbad wird von diversen Sportvereinen, Kindergärten und der (benachbarten) Schillergrundschule benutzt.
Die andere Sache ist: Das Schwimmbad in Unna-Königsborn und die Hellweg-Schwimmbäder in Unna-Lünern und Unna-Massen sind nach meinem Kenntnisstand die letzten Schwimmmöglichkeiten in Unna.
Das katholische Krankenhaus in Unna hat aus Kostengründen zum 30.09.2017 die beiden Bäder zu gemacht, so es immer weniger Möglichkeiten gibt, Rehasport (Wassergymnastik) in Unna zu machen.
Da ich davon ausgehe, daß das Hellweg-Schwimmbad in Unna-Massen an die Heizung der Realschule angeschlossen ist, stellt für mich die Frage, was mit dem Hellweg-Schwimmbad in Unna-Massen passieren wird, wenn die Realschule nicht mehr da sein sollte (auch wenn es vielleicht noch 10 Jahre dauern sollte)

Andreas Bregiel 08.02.201822:23 Uhr

Und was geschieht mit dem Hellweg-Schwimmbad ??
Dieses wird seit Jahren mit grossem Aufwand durch einen Trägerverein am Leben gehalten??
Macht sich darüber jemand in der Politik Gedanken?
Ein Bad das durch Schulen..Kindergärten Vereine etc.pp. so gut wie ausgebucht ist und somit unersetzlich ist!


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