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Initiative von Heimatpflegern

Stadtrat soll Kamener Altstadt unter Schutz stellen

Von Carsten Fischer, 25.04.2018
Stadtrat soll Kamener Altstadt unter Schutz stellen © Stefan Milk
Die Arbeitsgemeinschaft der Ortsheimatpfleger wendet sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit: (v ...

Kamen. Das Hotel Rieder – abgerissen. Das Haus Holzer – mutmaßlich verschandelt. Das Ensemble ums Haus Kajak – vom Abriss bedroht. Solche Beispiele ziehen die Kamener Ortsheimatpfleger heran, wenn sie ein düsteres Bild von der Zukunft der Altstadt malen.

Die Gruppe um Wilfrid Loos und Karl-Heinz Stoltefuß ging am Dienstag mit einem dramatisch klingenden Appell an die Öffentlichkeit: Der Bereich des Marktplatzes sowie der Bahnhofstraße in Höhe des Museums könnte auf längere Sicht sein gewohntes Erscheinungsbild verändern, wenn er nicht insgesamt unter Schutz gestellt wird. Der Stadtrat soll für diese Schutzfunktion eine sogenannte Denkmalbereichssatzung erlassen – so der Vorschlag der Ortsheimatpfleger.

Blutige Nase geholt
Neu an dem Vorstoß der Heimatpfleger ist, dass er nicht als Kritik an einem konkreten Neubauvorhaben formuliert ist – wie oftmals in der Vergangenheit. „Wir haben uns oft eine blutige Nase geholt mit der Folge, dass einige Häuser verschwunden sind“, sagt Stoltefuß. Beispielhaft dafür steht das abgerissene Hotel Rieder am Markt 6, dessen moderner Nachfolgebau umstritten ist. Wilfrid Loos spricht von einem „Dornröschenschlaf“, aus dem man immer wieder geweckt wurde, „wenn was Neues vorgestellt wurde“.

Stellungnahme verfasst
Die Denkmalfreunde beweisen jetzt mit einer Stellungnahme, dass sie wach geblieben sind. „Denkmäler schützen, die Altstadt bewahren“ – so ist das knapp 20-seitige Heft betitelt, das an politische Entscheidungsträger verteilt wurde. Darin erläutern die Verfasser ausführlich, warum Kamen eine Denkmalbereichssatzung braucht.

Sie soll in zwei räumlichen Schwerpunkten gelten – im Bereich des Marktplatzes und der südlichen Bahnhofstraße zwischen Maibrücke und Rathausvilla, wo jeweils zehn Baudenkmäler auf engem Raum stehen. „Zukünftige Ersatzbauten sollen sich an grundlegende Erfordernisse der Denkmalpflege anpassen und in die Strukturen der Vorgängerbauten einfügen“, erläutert Karl-Heinz Stoltefuß. Eine zeitgenössische Bauweise ist damit nicht ausgeschlossen.

Eigentümer ins Boot holen
Den Heimatfreunden liegt im Bereich des Markts auch die Oststraße, Am Geist, Weststraße und teilweise Nordstraße am Herzen. Dort stehen Baudenkmäler wie das Haus Kajak neben Häusern, die nicht geschützt sind, aber aus Sicht der Heimatpfleger stadtbildprägend und erhaltenswert sind. Die Initiatoren werben für eine Zusammenarbeit von Politikern, Stadtplanern, Denkmalschützern, Eigentümern und Kaufleuten, die die Bewahrung des Stadtbilds als gemeinsames Ziel verfolgen. Die Heimatpfleger wollen mit ihrer Initiative am selben Strang ziehen wie Kaufleute. In einer schönen Altstadt, so die Idee dahinter, gehen Menschen gerne einkaufen.

Gute Großwetterlage
Das Klima für eine solche Initiative ist aus Sicht der Heimatpfleger günstig, weil am 17. Juni Bürgermeisterwahlen anstehen und weil „die Großwetterlage mit einem Heimatministerium“ passend ist, so Wilfrid Loos. Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) aus Kamen hat angekündigt, Zuschüsse für den Denkmalschutz zu erhöhen.

Edith Sujatta ist die Ortsheimatpflegerin, in deren Revier beide vorgeschlagenen Schutzbereiche liegen. „Die alten Generationen sterben weg“, sagt sie über die Eigentümerstruktur von Altstadthäusern. Die neuen Besitzer gehen vielleicht „mit Schwung“ an die Sanierung, sagt sie, doch schnell sei „mit Schwung“ auch etwas Bewahrenswertes wegsaniert.

Was ist eine Denkmalbereichssatzung?

Das Denkmalschutzgesetz ermöglicht Kommunen, ein eigenes Denkmalrecht zu schaffen, in Form von Denkmalbereichssatzungen oder Gestaltungssatzungen.

Denkmalbereiche bestehen aus Gruppen von baulichen Anlagen, zum Beispiel Stadtgrundrisse, Stadtbilder, Ortsbilder, Ortssilhouetten, Stadtteile und Stadtviertel, Siedlungen, Gehöftgruppen, Straßenzüge, bauliche Gesamtanlagen und Einzelbauten sowie deren engere Umgebung.

Einzelne Baudenkmäler sind laut Denkmalschutzgesetz NRW durch die Eintragung in die Denkmalliste in ihrer Substanz unter Schutz gestellt. In Kamen gibt es 114 Baudenkmäler. Im Unterschied dazu gilt für Denkmalbereiche der Schutz des Erscheinungsbildes. In der Satzung kann der Rat die Besonderheiten, zum Beispiel ganze Straßen mit ihren Gebäudefassaden, denkmalrechtlich zu schützen.

Im Denkmalbereich geht es ausschließlich um den Schutz des kulturellen Erbes; bei Gestaltungssatzungen um Regelungen für die künftige Gestaltung alter und neuer baulicher Anlagen.

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