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Durchschnittshaus für 297.000 Euro

Immobilienpreise in Unna bleiben im Steigflug

Von Sebastian Smulka, 03.05.2018
Immobilienpreise in Unna bleiben im Steigflug © Roman Grzelak
Freie Baugrundstücke sind in Unna selten. Wer ein eigenes Haus haben möchte, kauft gebraucht – und k ...

Unna. Dass der Immobilienmarkt heiß läuft, beobachten Makler schon seit einigen Jahren. Sparkasse und Volksbank wiesen bereits in ihren Bilanz-Pressekonferenzen daraufhin: Die historisch günstigen Immobilienkredite lassen so viele Menschen eine einmalige Chance wittern, dass die Preise explodieren. Angebot und Nachfrage stehen in einem Verhältnis zueinander, das den Immobilienkauf womöglich teurer macht als vor einigen Jahren.

Gute Zeiten sind dies für alle, die gerade ein Haus loswerden wollen. Denn die hohe Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot. Ob freies Bauland oder gebrauchtes Haus: Gekauft werden kann nur, was verkauft wird. Und das scheint in Unna zu wenig zu sein. Der nun vorliegende Grundstücksmarktbericht des Gutachterausschusses für Immobilienwerte schreibt diese Tendenz auch in der Auswertung für 2017 fort.

Während die Zahl der Grundstückgeschäfte im vergangenen Jahr um 15 Prozent gesunken ist, ist der Geldumsatz am Markt deutlich gestiegen. Ein Aufschlag von 102 Prozent gegenüber dem Vorjahr lässt Kaufinteressenten schlucken, ist allerdings mit der statistischen Verzerrung durch den Verkauf des Karstadtlagers zu erklären. Bereinigt um diese Transaktion beträgt der Anstieg des Geldumsatzes aber immer noch 22 Prozent.

Gebrauchtkauf vor Neubau
Gegenüber dem Vorjahr wurde in Unna also mit weniger Objekten mehr Geld bewegt – was bedeutet, dass Häuser, Wohnungen und Grundstücke im Durchschnitt teurer geworden sind. Und das wiederum deutet daraufhin, dass es mehr Kaufinteressenten als Käufer gibt. Dass im vergangenen Jahr rein zahlenmäßig weniger Objekte verkauft worden sind, erklärt sich vermutlich nur dadurch, dass nicht mehr Eigentümer zum Verkauf bereit waren.

Interessenten berichten von einer teils seit Monaten laufenden Suche. Bei Besichtigungsterminen können Anbieter sie regelrecht gegeneinander ausspielen, um zu einem schnellen Abschluss zu kommen. Und die Luft für Fragen nach Preisnachlässen ist dünn.

Das wichtigste Modell am Markt ist in Unna weiterhin das gebrauchte Einfamilienhaus. 294 bereits bebaute Grundstücke haben in Unna im vergangenen Jahr ihren Eigentümer gewechselt. Nur 32 Grundstücke waren beim Verkauf unbebaut. In der statistischen Betrachtung hat ein bebautes Grundstück – also ein fertiges Haus – im Durchschnitt 297.000 Euro gekostet. Die freien Baugrundstücke gingen für durchschnittlich 172.000 Euro weg.

Der Bericht des Gutachterausschusses schlüsselt die Zahlen natürlich differenziert auf. Lage, Grundstücksgröße und Art der Bebauung sind wichtige Einflussgrößen für den Wert eines Grundstückes. Dass der Boden in Unna tendenziell teurer wird, zeigen aber auch die so genannten Bodenrichtwerte, mit denen der Gutachterausschuss die Wertpotenziale von Grundstücken in einzelnen Lagen beschreibt. In den teuersten Wohngebieten Unnas ist der Quadratmeterpreis nun auf 260 Quadratmeter gestiegen. Unna hat damit – punktgleich mit Lünen – die teuersten Grundstücke im gesamten Kreisgebiet.

Lage, Größe und Zustand sind natürlich auch Wertkriterien beim Kauf einer Eigentumswohnung. Eine hilfreiche Kennzahl, die der Gutachterausschuss liefert, ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis geordnet nach Baualtersklasse.

Sechs Wohnungen wurden im vergangenen Jahr als Neubau verkauft und bieten den Erstbewohnern durchschnittlich 89 Quadratmeter Wohnfläche für durchschnittlich 2.610 Euro pro Quadratmeter. Ältere Wohnungen sind billiger zu haben. In einem Gebäude aus den 1960er-Jahren etwa kostet eine Wohnung durchschnittlich 1210 Euro pro Quadratmeter, in einem Haus aus den „Nullerjahren“ nach der Jahrtausendwende 1820. Drei der im vergangenen Jahr verkauften Wohnungen stammen aus der Zeit vor 1920. Durchschnittlicher Preis: 787 Euro pro Quadratmeter

Datenschatz für den Immobilienhandel

„Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Unna“ hat zwar eine Geschäftsstelle im Rathaus, ist aber ein von der Stadt unabhängiges Expertengremium in Trägerschaft des Landes.

Sämtliche Kaufverträge für Grundstücke und Teileigentume werden in Kopie dem Ausschuss weitergeleitet und in die statistische Auswertung aufgenommen.

Den Grundstücksmarktbericht und eine Karte mit Bodenrichtwerten gibt es im Internet aufwww.boris.nrw.de

Karstadtlager lässt Umsatz explodieren

Ein rekordverdächtiges Grundstücksgeschäft im vergangenen Jahr sorgt für einige erhebliche Verzerrungen in den Statistiken. Das „Karstadtlager“ in Königsborn hat für rund 89 Millionen Euro den Eigentümer gewechselt. Der Geldumsatz des Gesamtmarktes ist dadurch regelrecht explodiert. Aber: Von den 198 Millionen Euro, die in Unna im vergangenen Jahr bei Immobiliengeschäften bewegt worden sind, entfallen gut 42 Prozent auf die eine Transaktion im Königsborner Logistikpark.

Immobilienpreise in Unna bleiben im Steigflug © Fischer
Das von DHL betriebene Karstadtlager hat 2017 den Eigentümer gewechselt. Foto: Archiv
Für den Betrieb vor Ort dürfte der Wechsel keine Auswirkungen haben. Die Warenhauskette Karstadt lässt in Unna durch die Post-Tochter DHL einen wesentlichen Teil ihrer Logistik abwickeln. Das Lager allerdings ist nur angemietet, dem Vernehmen nach noch bis 2026. Der Wechsel des Eigentümers dürfte als Portfolio-Umstellung von zwei Immobilieninvestoren zu verstehen sein: Alte Eigentümer waren der europäische Immobilienanleger M7 Real Estates und ein US-Investor, neuer Eigner ist Barings Real Estate, einer der weltweit größten Vermögensverwalter mit Schwerpunkt Immobilienanlage.

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