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Veränderte Zugstrecken aus Sicherheitsgründen

Fröndenberger Schützenvereine fürchten Bruch mit Traditionen

Von Marcus Land, 05.06.2018
Fröndenberger Schützenvereine fürchten Bruch mit Traditionen © Frank Saul
Die Westicker müssen sich an eine neue Route für den Festzug des Schützenbundes gewöhnen. Foto: arch ...

Fröndenberg. Schützenvereine in der Stadt hadern mit hohen Auflagen für ihre Festzüge: Der Fröndenberger Schützenbund klammert erstmals die Westicker Straße aus, den Bürgerschützen droht ein ähnlicher Traditionsbruch.

Noch am Sonntag konnte Oberst Olaf Rappold den ungeduldigen Westickern keine Antwort auf ihre Frage geben: Woher führt in diesem Jahr der Schützenumzug? Am Montag stellte Rappold die endlich genehmigte Route dann auch gleich unserer Redaktion vor – mit viel Verdruss in der Stimme und Kritik an der Polizei.

„Wenn man meint, dass ein Umzug, der 40 Jahre lang so gelaufen ist, nicht in Ordnung ist, dann sucht man das Gespräch – aber so geht es nicht“, erboste sich Rappold. Der zuvor von der Straßenverkehrsbehörde des Kreises abgesegnete Zug, der zwischen Hengstenberg- und Schillerstraße traditionell über die Westicker Straße führt, stieß bei der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz der Kreispolizeibehörde nicht auf Gegenliebe. Vor Wochen habe man den Antrag für die angestammte Route gestellt.

„Alternativroute wäre Humbug gewesen“

Es stelle sich „die generelle Frage, warum der Festzug überhaupt die Westicker Straße (L673) nutzen muss“, schrieb die Polizei an die Straßenverkehrsbehörde, denn dies führe „zu einer sehr erheblichen Teilsperrung der Westicker Straße.“ Der Stellungnahme war eine Alternativroute beigefügt. Die Anmerkungen der Polizei sollten „in eine Genehmigung einfließen“, wurde empfohlen.

„Die Alternativroute wäre Humbug gewesen, weil wir auch dann ein Stück über die Westicker Straße hätten laufen müssen“, sagt Olaf Rappold. Zudem habe die Polizei empfohlen, durch die Friedrich-Behring-Straße zu ziehen – die sei aber viel zu schmal dafür. Rappold: „Das muss ein Bezirksbeamter wissen.“ Also habe man kurzerhand eine neue Route ohne Berührung der Westicker Straße aufs Papier gebracht – die sei nun schließlich genehmigt worden.

Im Ergebnis sei viel Aufregung im Verein entstanden. „Wenn so etwas drei Wochen vor dem Schützenfest kommt, wird einem angst und bange“, so Rappold. Nun stehe auch die alte, aber falsche Zugstrecke auf den längst gedruckten Festplakaten. Ausdrücklich aus von seiner Kritik nimmt Rappold den Kreis und das Ordnungsamt der Stadt, die kooperativ gehandelt hätten.

Eine neue Linie der Polizei
Die Kreispolizeibehörde verweist darauf, dass sie Alternativstrecken nur empfehle, aber nichts versage. Die Schützenvereine kämen allerdings nicht umhin, für die Sicherheit auf den Festzügen selbst zu sorgen. „Das ist die Behördenlinie, die wir jetzt fahren“, erläuterte Polizeisprecher Thomas Röwekamp, „jeder konzentriert sich auf seine originären Aufgaben.“

Fröndenberger Schützenvereine fürchten Bruch mit Traditionen © UDO HENNES
Das Königspaar Nicolas Dons und Anna Gerke taufte den Vogel am vergangenen Samstag auf den Namen „Lu ...
Olaf Rappold gibt zu bedenken, dass Ordner des Vereins nicht lenkend in den Verkehr eingreifen dürften und man gefährliche Situationen nicht beherrschen könne. „Wenn es wirklich zu Schwierigkeiten mit dem Verkehr kommt, müsste man uns anrufen“, so Röwekamp. Sicherlich werde aber der ohnehin anwesende Bezirksbeamte, der die Einhaltung der Auflagen kontrollieren soll, in kritischen Fällen auch eingreifen.

Röwekamp räumt ein, dass die Schützenvereine sich umstellen müssten, weil die Polizei bislang aus „good will“ den Verkehr dennoch bei Bedarf geregelt habe.

Olaf Rappold sorgt sich allgemein, dass die schärferen Auflagen die Bemühungen um das Brauchtum konterkarierten. „Wir sind im Schützenverein wieder auf einem guten Weg – es kommen wieder ganz viele Leute, die sich treffen wollen“, sagt Rappold.

„Durch hohe Auflagen ist eine Tradition in Gefahr“

Durch „hohe Auflagen für kleine Vereine“ sieht auch Marc Plaßmann „die Tradition in Gefahr“. Dem Vorsitzenden des Bürgerschützenvereins von 1830 ist mündlich schon angedeutet worden, welche Auflagen eine Zugstrecke über die Alleestraße mit sich bringen würde – sollte es so kommen, werden die Bürgerschützen ausweichen. Der schriftliche Bescheid stehe zwar noch aus, aber man werde wahrscheinlich „deutlich kürzer und nur im Stadtkern marschieren“, kündigte Plaßmann an. Wie auch Olaf Rappold bestätigt Marc Plaßmann zwar eine Information des Kreises über höhere Auflagen Anfang des Jahres. Mit solch drastischen Folgen habe man aber nicht gerechnet.

Brief nach Düsseldorf
In anderen Schützenvereinen will man die Genehmigungen für die Festzüge noch abwarten, bestätigen Andreas Döge, 1. Vorsitzender des Schützenvereins 1922 Langschede, und Oberst Ingo Rellmann von den Adlerschützen Hohenheide.

Für Olaf Rappold steht das Brauchtum durch die Bürokratie auf dem Spiel – der Westicker Oberst will daher für einen gemeinsamen Protestbrief nach Düsseldorf werben: „Das ist ein Fall fürs Heimatministerium.“

Kommentar der Redaktion

Den Letzten beißen die Hunde

Von Marcus LandEs ist das Prinzip des Letzten, den die Hunde beißen: Das Land hat kein Geld für mehr Personal, die Polizei hat kein Personal für Aufgaben, für die sie zwar kompetent, aber gesetzlich nicht zuständig ist. Und die Schützenvereine haben nicht das Know-how und auch nicht die Befugnis, um einen Festzug in sicheren Bahnen über öffentliche Verkehrsstraßen zu führen. Über viele Jahre, so zeigt es sich jetzt, war die Hilfe der Polizei bloß eine Art Gewohnheitsrecht, aber kein Rechtsanspruch.

Die neue Linie der Ordnungshüter, die sich selbst damit – nachvollziehbar – entlasten, trifft nun die Traditionspfleger in Fröndenberg mit Macht. Das sorgt für viel Aufwand und Verdruss. Viele sehen gar einen Angriff auf das Brauchtum. Die Schützen müssen aber nicht die Letzten in der Kette bleiben. Das neue Heimatministerium, das Brauchtum fördern will, scheint eine gute Adresse, um den Ball an die Landesregierung zurückzuspielen.

Festzug in Westick durchs gesamte Dorf

Der Festzug des Fröndenberger Schützenbundes startet zwar noch wie gewohnt am Festplatz auf Balsters Wiese, schwenkt aber nicht mehr auf die Westicker Straße ein. Der Verlauf führt in diesem Jahr über Schiller- und Lessingstraße, weiter über Graf-Adolf-, Ostmark- und Magdalenenstraße bis zur Wasserwerkstraße, wo in die Graf-Adolf-Straße eingeschwenkt wird. Die Parade wird diesmal vor der St.-Josef-Kirche und nicht auf der Hengstengbergstraße stattfinden, bevor man wieder auf dem Festplatz ankommt.

Für die Sicherheit, soweit möglich, sorgen die Schützen selbst mit 20 Ordnern, darunter helfende Hände aus Bausenhagen – wo man sich beim Festzug des Kirchspiels revanchieren wird. Die Dauer des Zuges soll mit rund 30 Minuten nicht kürzer ausfallen.

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