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Gericht

Tod eines Säuglings: Richter halten die Mutter für schuldig

Von Martin von Braunschweig , 11.06.2018
Tod eines Säuglings: Richter halten die Mutter für schuldig © picture alliance / dpa
Nach einem Prozess, der viereinhalb Jahre dauerte, haben die Richter die Mutter eine toten Babys sch ...

Bergkamen. Viereinhalb Jahre dauert der Prozess über den Tod eines Säuglings aus Bergkamen. Angeklagt ist die Mutter. Und nun haben die Richter ein Urteil gesprochen. Sie halten die Frau für schuldig.

Wie starb ein Baby, das im Sommer 2010 in Bergkamen ums Leben kam? Wobei zog sich der kleine Junge aus Bergkamen die schlimmen Kopfverletzungen zu, die seinem Leben schon im Alter von nur sieben Monaten ein tragisches Ende setzen? Fast viereinhalb Jahre lang hat das Dortmunder Schwurgericht über diese Frage verhandelt. Am Montag hat es die angeklagte Mutter zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Die Richter sind davon überzeugt, dass die 36-Jährige ihren Jungen heftig geschüttelt und den Kopf dabei gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat. Ohne jeden Zweifel würden sie dieses Urteil sprechen, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer in der rund zweistündigen Urteilsbegründung. „Jedes Mitglied der Kammer, das für die Verurteilung gestimmt hat, hat das dafür erforderliche reine Gewissen.“

Frau bestreitet Schuld
Die Angeklagte brach erst nach Abschluss des 95. und letzten Verhandlungstages in Tränen aus. Mit hoch rotem Kopf verließ sie den Saal, offensichtlich traurig und wütend darüber, dass die Richter ihr am Ende nicht geglaubt haben. Seit ihrer ersten Vernehmung durch die Polizei hatte die Frau erklärt, ihr Baby müsse sich den massiven Schädelbruch bei einem Sturz aus dem Elternbett zugezogen haben. Die Richter halten das aber für „eindeutig widerlegt“.

In aller Gründlichkeit erläuterte der Vorsitzende des Dortmunder Schwurgerichts, warum die Unfall-Version nach Ansicht der Kammer nicht stimmen kann. Zum einen seien da die wirklich massiven Schädelbrüche. „Drei Knochen waren betroffen“, so Meyer. Die dazu erforderliche Kraft müsse um ein Vielfaches größer gewesen sein, als die, die bei einem Sturz aus 45 Zentimetern Höhe entstünde. Diverse medizinische Studien kommen nach Ansicht der Richter zu demselben Ergebnis. Hätte sich das Kind die Brüche tatsächlich beim Fallen zugezogen, wäre dieser Fall „einmalig in der Welt“.

Revision angekündigt
Zum anderen halten die Richter auch das Verhalten der Angeklagten an jenem tragischen Sommertag 2010 für auffällig. Niemandem sagte sie etwas von dem angeblichen Sturz des Babys. „Dabei wäre es doch der Impuls einer Mutter gewesen, unbedingt zu helfen“, sagte der Vorsitzende Richter.

Die 36-Jährige wird ins Gefängnis müssen, wenn der Bundesgerichtshof das Urteil der Dortmunder Richter bestätigt. Dass der BGH in Karlsruhe die Dortmunder Akten vorgelegt bekommt, ist sicher. Beide Verteidiger erklärten: „Wir werden Revision einlegen.“

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