Mann erwürgte seine Freundin

Neun Jahre Haft nach Totschlag in Unna

Von Martin von Braunschweig, 16.05.2018
Neun Jahre Haft nach Totschlag in Unna

Der Angeklagte Uwe H. – hier auf einem Bild vom ersten Prozesstag mit seinem Pflichtverteidiger – geht wegen Totschlags für neun Jahre in Haft.Archiv

Das Dortmunder Schwurgericht hat den 48-jährigen Uwe H. wegen Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte, der im Juni 2017 seine Lebensgefährtin in ihrer Wohnung an der Morgenstraße in Unna erwürgt hatte, zeigte bei der Verkündung des Strafmaßes keine äußere Regung.

Bei den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatte man indes deutlich gemerkt, wie sehr es in dem Angeklagten brodelte. Uwe H. musste sich einige Vorwürfe gefallen lassen. Der in seinen Augen wahrscheinlich am stärksten ungerechtfertigte lautete: „Hier sitzt ein Mann, dem man seine Reue einfach nicht abnehmen kann. Dieser Angeklagte tut sich einfach nur selbst leid.“

Der 48-Jährige hatte im Prozess eingeräumt, seine Freundin Dagmar J. im Streit erwürgt zu haben. Doch was genau der Auslöser der fatalen Auseinandersetzung war, blieb in der Verhandlung ebenso offen wie die Frage, warum er sich nicht einfach umgedreht und die Wohnung verlassen hatte. Das hatte er nach seinen eigenen Angaben nämlich schon zuvor oft genug getan. Die Verhandlung hatte jedoch ergeben, dass dies wahrscheinlich nicht so ganz stimmen kann. Denn auch gegenüber seiner Ex-Frau und seinem Kind soll Uwe H. mehrmals gewalttätig geworden sein. Besonders auffällig dabei: Die geschiedene Ehefrau berichtete als Zeugin von einem Angriff gegen ihren Hals. Dagmar J. war also offensichtlich nicht der erste Mensch, den Uwe H. würgte.

Die Staatsanwältin hatte schließlich elf Jahre Haft beantragt. Auf das Verhalten des Angeklagten nach der Tat, seine Flucht nach Costa Rica und den Umstand, dass er dort ebenfalls Ärger mit der Polizei bekam, wollte sie dabei gar nicht mehr besonders eingehen. Sie sagte nur: „Alles, was der Angeklagte nach der Tat gemacht hat, klingt nicht nach einem Menschen, der sich nicht mehr im Griff hat.“ Anders als von ihm behauptet, sei Uwe H. ein Täter, der planvoll vorgegangen sei und keineswegs im Affekt gehandelt habe. Daher sei auch eine Milderung der Strafe wegen verminderter Schuldfähigkeit ausgeschlossen.

Die Richter am Landgericht Dortmund bewerteten den Fall am Ende genauso. Allerdings wiesen sie Uwe H. außerdem in eine geschlossene Alkohol-Entziehungsklinik ein.