Betrugsanzeige

Langwierige Ermittlungen gegen Bergkamener Autohandel

Von Michael Dörlemann, 16.04.2018
Langwierige Ermittlungen gegen Bergkamener Autohandel

Die Kunden eines Bergkamener Autohandels hofften auf Schnäppchen bei EU-Autos. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil mehrere Kunden Anzeige erstattet haben, weil sie gezahlt, aber bisher kein Fahrzeug bekommen haben.dpa

Die Staatsanwaltschaft muss umfangreiche Unterlagen prüfen, die sie beschlagnahmt hat.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund geht davon aus, dass es mehrere Monate dauert, bevor sie sagen kann, ob ein Bergkamener Autohändler Kunden betrogen hat. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte am vergangenen Donnerstag eine Hausdurchsuchung bei dem Unternehmen veranlasst. Dabei waren Geschäftsunterlagen und Computer beschlagnahmt worden (wir berichteten in unserer Online-Ausgabe). Die Auswertung nehme mehrere Wochen in Anspruch, sagte Staatsanwalt Elmar Pleus.

Das Autohaus, das mit EU-Fahrzeugen gehandelt hat, ist bisher von sieben Kunden wegen Betrugs angezeigt worden. Sie hatten Fahrzeuge bezahlt, aber nie bekommen. Im Internet berichten Kunden des Bergkamener Autohandels, dass das Unternehmen weder auf Mails noch auf Anrufe reagiert habe. Der Straftatbestand Betrug liege allerdings nur vor, wenn das Unternehmen Geld von den Kunden genommen und von vornherein gewusst habe, dass es nicht liefern kann, erläuterte Pleus. „Wenn eigentlich die Absicht bestand, zu liefern und dann erst etwas dazwischen gekommen ist, ist das kein Betrug“, sagte er. Zivilrechtliche Ansprüche, ihr Geld zurückzubekommen, haben die Kunden natürlich trotzdem.

Der Staatsanwalt geht mittlerweile davon aus, dass es noch mehr als nur die sieben angezeigten Fälle gibt. Das geht offenbar aus einschlägigen Internet-Foren hervor. Dort haben sich wohl noch mehr Kunden geäußert, dass sie Geld bezahlt, aber bisher kein Auto bekommen haben. Die meisten haben offenbar nicht nur eine Anzahlung, sondern schon den gesamten Kaufpreis für das neue Fahrzeug bezahlt. Bei denjenigen, die Anzeige erstattet haben, gehe es im Schnitt „um Summen um die 9000 bis 10.000 Euro“, bestätigte Pleus. Die mutmaßlich Geschädigten, die Anzeige erstattet haben, kommen nicht nur aus Bergkamen, sondern aus der weiteren Region.

Mittlerweile gebe es den Autohandel auch nicht mehr, wie der Staatsanwalt mitteilte. Der Name des Unternehmens ist offenbar verkauft worden. EU-Fahrzeuge werden am ehemaligen Firmensitz aber immer noch gehandelt. Das Geschäft betreibt jetzt ein Unternehmen mit einem anderen Namen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen die Geschäftsführerin des Unternehmens und gegen ihren Ehemann. Nach Pleus´ Angaben prüft die Staatsanwaltschaft auch, ob die Frau oder doch eigentlich der Ehemann derjenige ist, der für die Geschäftsführung verantwortlich ist.

Den Autohandel mit EU-Fahrzeugen gab es schon seit einigen Jahren in Bergkamen. Bis vor einigen Monaten deutete aber offenbar nichts darauf hin, dass es dort nicht mit rechten Dingen zuging.