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Prozess vor dem Landgericht

Staatsanwalt fordert Freispruch für Mutter von totem Baby

Von Martin von Braunschweig, 12.04.2018
Staatsanwalt fordert Freispruch für Mutter von totem Baby © picture alliance / dpa
Im Prozess gegen eine Frau aus Bergkamen, die angeklagt ist, ihr Baby getötet zu haben, gibt es eine ...

Bergkamen. Der Ankläger hält ein überraschendes Plädoyer im Prozess um ein totes Baby.

Eine große Wende im Prozess um das tragische Schicksal des im Juni 2010 gestorbenen Babys aus Bergkamen deutet sich an: In dem über vier Jahre andauernden Prozess hat Staatsanwalt Felix Giesenregen am Donnerstag überraschend sein Plädoyer gehalten. Seine Forderung: Freispruch in allen relevanten Aspekten.

Dass die angeklagte Mutter ihr Baby damals geschüttelt und mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat, lässt sich nach Ansicht des Staatsanwalts nicht sicher nachweisen. „Es gibt gewichtige Argumente, die für eine Misshandlung sprechen“, sagte Giesenregen. Am Ende blieben aber immer einige Restzweifel zurück. Nach Ansicht des Anklagevertreters könne auch die Version der Mutter nicht ausgeschlossen werden. Die Angeklagte beharrt darauf, dass der Junge vom Elternbett gefallen ist, als sie in der Küche war und seinen Brei zubereitete. Den Schädelbruch, der die tödliche Hirnblutung auslöste, müsste sich das Baby also bei einem Sturz aus rund 45 Zentimetern Höhe auf Laminatboden zugezogen haben.

Staatsanwalt Giesenregen sagt dazu: „Wir haben zahlreiche medizinische Gutachten gehört, die zu sehr unterschiedlichen Auffassungen gelangt sind.“ Einige Mediziner hätten einen Sturz als Ursache des Bruches ausgeschlossen, andere seien jedoch längst nicht so weit gegangen. Weil am Ende die Zweifel nicht aus der Welt zu schaffen seien, müsse zugunsten der Angeklagten von ihrer Version ausgegangen werden, so der Staatsanwalt.

Die Mutter vergoss bereits zu diesem Zeitpunkt Tränen der Erleichterung. Nach dem Ende des Sitzungstages verließ sie fast fluchtartig den Saal – offensichtlich überwältigt von ihren Emotionen.

Dass sie nach dem Willen der Staatsanwaltschaft nicht gänzlich freigesprochen werden soll, hatte sie natürlich zuvor auch vernommen. Als es dem Kind bereits sehr schlecht ging, hatte sie ein Körnerkissen auf seine Brust gelegt und zuvor offenbar vergessen, die Temperatur zu überprüfen. Das Kissen war viel zu heiß und verbrannte die Brust des Babys. Für diese fahrlässige Körperverletzung“ beantragte Staatsanwalt Giesenregen eine Geldstrafe auf Bewährung.

Ob bereits am kommenden Verhandlungstag auch die Verteidiger plädieren, steht noch nicht ganz fest. Rechtsanwalt Rüdiger Deckers hat am Donnerstag noch einmal weitere Beweisanträge angekündigt.

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