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Fragen an die Bürgermeisterkandidaten – Teil 7

Von schönen Parks und kaputten Straßen

Von Carsten Fischer, 09.06.2018
Von schönen Parks und kaputten Straßen © Stefan Milk

Kamen. Im siebten Teil der Serie zur Bürgermeisterwahl stellen wir die Positionen der Kandidaten Elke Kappen, Tanja Brückel und Jonas Büchel zu Fragen des Straßenunterhalts und Stadtentwicklung gegenüber.

Die drei Kandidaten

Der Kamener Bürgermeister Hermann Hupe (SPD) hat im Oktober 2017 angekündigt, dass er zwei Jahre vor Ablauf der Amtsperiode, also bereits Ende Juli 2018, aus familiären und gesundheitlichen Gründen aus dem Amt scheiden will. Die Zeichen standen damit auf Neuwahlen, die von Landrat Michael Makiolla (SPD) auf 17. Juni 2018 festgesetzt wurden. Es gibt drei Bürgermeisterkandidaten: Am 17. Februar 2018 stellte ein Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern die 43-jährige Tanja Brückel, ehrenamtliche Geschäftsführerin der Familieneinrichtung „Familienbande“ in Kamen und hauptamtliche Geschäftsführerin der Mütterzentren NRW in Düsseldorf, als Kandidatin auf. Die SPD Kamen nominierte am 8. März 2018 ebenfalls einstimmig die 54-jährige Elke Kappen, Erste Beigeordnete der Stadt Kamen. Der 52-jährige Sozial- und Kulturplaner Jonas Büchel sammelte über 200 Unterstützer-Unterschriften und tritt als parteiloser Einzelbewerber an. Alle drei Bewerber sind Diplom-Sozialarbeiter, schlugen aber verschiedene Berufswege ein.

Muss der Kamener Marktplatz saniert werden, weil er aus den Fugen geraten ist?

Es gibt dringendere Maßnahmen
Elke Kappen (SPD): „Kamens Alter Markt hat nicht nur Charme und Atmosphäre, er ist ein zentraler Platz für die Bürgerinnen und Bürger. Im Sommer sitzen sie in den Biergärten rund um den Markt, im Winter ist er weihnachtlich geschmückt und Treffpunkt für Groß und Klein. Die Umgestaltung des Platzes ist zwar mehr als 25 Jahre her, aber noch heute profitiert das Herz der Stadt von dem Umbau. Da sich Mängel in Grenzen halten und sich nach und nach beheben lassen, gibt es meines Erachtens dringendere Maßnahmen in der Stadt als die Sanierung des Marktplatzes.“

Sanierung für Barrierefreiheit nutzen
Tanja Brückel (parteilos, für CDU, Grüne, FDP, Freie Wähler): „Wünschenswert wäre es. Dann sollte man allerdings diesmal die Sanierung dazu nutzen, Barrierefreiheit herzustellen und mehr Grün in die Stadt zu bekommen. Mehr Aufenthaltsqualität mit z.B. einer Gastronomie unter Bäumen und einem Spielplatz für alle Generationen (mit z.B. Boule-Spiel). Für Großveranstaltungen (z.B. Altstadtfest) stehen genügend andere Flächen in der Stadtmitte zur Verfügung. Hier gäbe es viel gestalterischen Spielraum für eine attraktivere Alt- und Innenstadt, die die Menschen zum Verweilen einlädt.“

Definitiv keine neue Gestaltung
Jonas Büchel (parteilos): „Der alte Markt braucht definitiv keine neue Gestaltung, der Neumarkt dagegen braucht langfristig eine Steigerung einer attraktiveren Atmosphäre. Dazu müssen langfristige Ideen ausgearbeitet werden. Unabhängig davon müssen aber überall in der Innenstadt, vor allem in den aktiven Geschäftsbereichen, die öffentlichen Räume gefördert werden. Das bedeutet nicht nur kommerziell genutzter, und damit privater Raum, sondern mehr und neue Möglichkeiten zum Aufhalten und Treffen vor allem auch für jüngere und ältere Menschen. Aktive Leerstandsprojekte, Nutzung für kulturelle Initiativen, die mit den Besitzerinnen und Besitzern der Gebäude ausgehandelt werden müssen, stehen uns zudem als Alternativen auch in überdachten Räumen zur Verfügung.“

Wie erklären Sie, dass Kamen viele kaputte Straßen hat, sich aber an der Seseke einen neuen Park zulegt?

Das Geld ist zweckgebunden
Elke Kappen (SPD): „Die rund 2 Mio. Euro teure Umbaumaßnahme Sesekepark, die auf einstimmige Beschlüsse im Fachausschuss und im Rat zurückgeht, wird zu 80 Prozent aus dem Städtebauförderprogramm des Landes NRW gefördert. Dieses Geld ist zweckgebunden, es konnte nicht für notwendige Straßen- oder Schulsanierungen verwendet werden. Ich bin überzeugt, dass der Sesekepark erheblich zur Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beitragen und Anziehungspunkt für viele Menschen wird (und so auch den Handel und die Gastronomie unterstützt). Es wäre fatal gewesen, diese Umgestaltungschance nicht zu nutzen.“

Es mangelt an mehr Erklärung und Transparenz
Tanja Brückel (parteilos, für CDU, Grüne, FDP, Freie Wähler): „Hier fehlt es sicher an mehr Erklärung und Transparenz. Denn tatsächlich drohen einige Straßen in Kamen kurzfristig in einen Zustand abzurutschen, der keine Erhaltungsmaßnahmen mehr zulässt. Für den Sesekepark gab es allerdings bis zu 85 Prozent Förderung. Deshalb wurde er entwickelt und gebaut. Aus Sicht der Steuerzahler, die eben diese 85 Prozent mit aufbringen, vielleicht etwas unbefriedigend, zumal es ja entlang der Seseke flussabwärts bereits einen Park gibt. Bleibt zu hoffen, dass das Vorhaben „Sesekepark“ gelingt und die getätigten, öffentlichen Investitionen durch sach- und fachgerechte Unterhaltung zukünftig entsprechend gepflegt werden.“

Planung mit falschen Prämissen
Jonas Büchel (parteilos): „Ich erkläre diesen Zustand genau so, wie es aus professioneller Perspektive betrachtet werden muss: als Planung mit falschen Prämissen. In Zeiten finanzieller Herausforderungen muss eine Stadt immer zuerst an die bestmögliche Unterhaltung seiner Lebens-, Arbeits- und Geschäftsräume denken. Planungen, die darüber hinausgehen, müssen ganz genau bedacht werden und immer dem Diktat folgen: Zuerst der Mensch und seine direkte Umwelt, die Infrastruktur, auf welche die Bürgerinnen und Bürger mit einem positiven Leben angewiesen sind. Unabhängig davon stehe ich aus beruflichen Erfahrungen gegen die sog. „Leuchtturm-Projekte“. Wir haben so viel in die Zentren investiert, jetzt müssen unbedingt die Nachbarschaften, die Verkehrswege, die Nahversorgung und der Nahverkehr unsere Aufmerksamkeit bekommen.“

Alle bisher veröffentlichten Teile der Serie „Fragen an die Bürgermeisterkandidaten“

Teil 1: Welche drei konkreten Ziele nehmen Sie sich für die ersten 100 Tage Ihrer Amtszeit vor? Was möchten Sie als Bürgermeister/in für Radler und Autofahrer in Kamen tun?

Teil 2: Ist Ihre (fehlende) Mitgliedschaft in einer Partei für die Arbeit des Bürgermeisters hinderlich oder förderlich – und wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit dem Rat vor? Was möchten Sie als Bürgermeister/in für Kinder und Jugendliche in Kamen tun?

Teil 3: Was möchten Sie als Bürgermeister/in für Senioren tun? Wo sehen Sie bei den Stadtfinanzen noch Sparpotenzial, wo Spielraum und was ist für Sie tabu?

Teil 4: Braucht Kamen mehr bezahlbaren Wohnraum – sollten auf den ehemaligen Sportplätzen im Hemsack und auf dem Grundstück der ehemaligen Polizeikaserne in Südkamen solche Wohnungen gebaut werden? Was möchten Sie als Bürgermeister/in für den Sport in Kamen tun?

Teil 5: Wie stehen Sie zu Forderungen nach einem Kommunalwahlrecht für Kamener ohne deutsche Staatsangehörigkeit? Für viele Flüchtlinge zeichnet sich keine Rückkehr in die Heimat ab. Braucht die Stadt nach der Willkommenskultur eine Bleibekultur?

Teil 6: Was unternehmen Sie als Bürgermeister/in gegen die Vernachlässigung großer Mietshäuser u.a. im Blumenviertel? Brauchen Methler und Heeren-Werve noch eigene Stadtteilbäder, falls in Kamen-Mitte Neubaupläne für ein Ganzjahresbad realisiert werden?

Bürgermeisterwahlkampf im Netz

Internetseite von Elke Kappen – www.elke-kappen.de

Internetseite von Tanja Brückel – www.fuer-kamen.de

Internetseite von Jonas Büchel – www.kamen-spricht.de

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