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Prozess um tot aufgefundene Babys

Babys allein gelassen

Von Martin von Braunschweig, 09.04.2018
Babys allein gelassen © Foto: von Braunschweig
Vor dem Dortmunder Schwurgericht startete am Montag das Verfahren gegen eine Lünerin (r.), in deren ...

Lünen/Dortmund Mit beklemmenden Details aus der Vernehmung der Angeklagten hat in Dortmund der Prozess um zwei skelettierte Babyleichen an der Reuterstraße begonnen: „Ich kam nach Hause, da war sie tot, schon ganz kalt. Ich konnte sie nicht beerdigen, deshalb habe ich sie einfach liegen lassen.“

Vor fünfeinhalb Jahren erschütterte der Leichenfund die ganze Stadt. Nach einem kleinen Brand war die Feuerwehr zu der Mietwohnung ausgerückt. Auf die toten Babys stießen die Einsatzkräfte jedoch erst wesentlich später. „Ich hatte das Gefühl, als würden wir bis zum Knöchel durch Unrat waten“, sagte der Ermittlungsführer der Polizei am Montag als Zeuge aus. „Die ganze Wohnung war voller Müll. Ich hatte nicht die Fantasie, mir vorzustellen, wo man dort schlafen, kochen, ja überhaupt leben sollte.“

Marie und Emma
Gelebt haben in den Räumen auch nacheinander zwei Babys. Marie kam im November 2010 zur Welt. Heimlich, in der Badewanne. Die heute 35-jährige Mutter will niemandem etwas von der Schwangerschaft erzählt haben. Sie leide an einer Darmerkrankung und einem Blähbauch, sagte sie wohl ihren Arbeitskollegen in einem Lüner Café. Marie starb im April 2011. Die Leiche blieb einfach im Wohnzimmer liegen.

Im März 2012 wurde schließlich Emma geboren. Doch auch sie lebte nur kurz. Wie ihre Schwester, die sie nie kennenlernen durfte, soll auch Emma schon bald nach der Geburt stundenlang allein gelassen worden sein. Ohne Nahrung, ohne Flüssigkeit, ohne die schützende Nähe ihrer Mutter.

Derweil soll die Angeklagte arbeiten gegangen sein. „Ich habe sie alle drei bis vier Stunden gefüttert. Aber wenn ich arbeiten war, konnte ich den Rhythmus nicht halten“, zitierte der Ermittlungsführer aus der Vernehmung der 35-Jährigen. Die angeklagte Mutter will vorerst nicht aussagen.

In Emmas Fall schließen Rechtsmediziner inzwischen nicht aus, dass das Kind an Flüssigkeitsmangel gestorben ist. Deshalb wird nun auch vor dem Dortmunder Schwurgericht und nicht am Amtsgericht in Lünen verhandelt. Eine Verurteilung wegen Totschlags oder Körperverletzung mit Todesfolge halten
die Richter für möglich.

Der Ermittlungsführer der Polizei glaubt, dass die Angeklagte ein schweres psychisches Problem hat. „Ich hatte den Eindruck, dass sie eine völlig falsche Gewichtung hatte“, sagte der Beamte. Was er damit meinte: In der Wohnung lebten auch mindestens zwei Katzen.

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