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Innenministerium antwortet Ganzke

Lkw-Unfälle auf Autobahnen: Polizei soll mehr kontrollieren

Von Kevin Kohues, 01.06.2018
Lkw-Unfälle auf Autobahnen: Polizei soll mehr kontrollieren © Michael Neumann
Ein typischer Unfall auf der A1 unter Lkw-Beteiligung (Archivfoto vom 8. Mai). Foto: Neumann

Kreis Unna. Immer wieder – und nicht nur gefühlt auch immer häufiger – kommt es auf den Autobahnen im Kreis Unna zu schweren Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Lkw. Was das NRW-Innenministerium dagegen zu tun gedenkt, wollte der hiesige Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke wissen. Die Antwort fällt eher dürftig aus.

Es ist Segen und Fluch zugleich: Mit der A1, A2, A44 und A45 befinden sich Abschnitte gleich vier wichtiger Autobahnen auf dem Gebiet des Kreises Unna. Man kommt also prinzipiell schnell überall hin – wenn da nur nicht die dauernden Staus wären. Häufig werden sie ausgelöst durch schwere Unfälle, und beteiligt sind oft Fahrer von schweren Sattelzügen. Die Verkehrsunfallstatistik der Polizei bestätigt die Zunahme, Unfälle sind nicht nur in der Wahrnehmung des Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke (SPD) „an der Tagesordnung“. Aufklärung über Gegenmaßnahmen der Landesregierung forderte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion jüngst in einer Kleinen Anfrage. Die nun vorliegende Antwort stimmt ihn allerdings unzufrieden. „Das Land verzichtet offenbar darauf, konkrete Verbesserungen hier vor Ort zu suchen und für die Menschen mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu schaffen“, resümiert Ganzke. Dabei zeigten doch die Zahlen in der Antwort auf die Kleine Anfrage, dass Handlungsbedarf bestehe und wesentlich mehr getan werden müsste.

Mehr Verstöße gegen Sicherheitsabstand oder Ruhezeiten

Die Zahlen, von denen Ganzke spricht, stammen aus der Statistik über kontrollierte Lkw-Verkehre im Kreis Unna. Demnach haben die Verstöße im Vergleich der Jahre 2016 und 2017 zugenommen – sowohl, was mangelnde Sicherheitsabstand betrifft, als auch in Bezug auf Ladungssicherung oder die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten.

Dies könnte ein Resultat verstärkter Kontrollen sein, von denen in der Antwort des Innenministeriums ebenfalls die Rede ist. Die polizeiliche Überwachung des gewerblichen Personen- und Güterverkehrs beschränke sich nicht mehr nur auf die Autobahnen werde durch alle örtlichen Polizeibehörden ganzheitlich wahrgenommen, heißt es in der Antwort, die von Innenminister Herbert Reul (CDU) unterzeichnet ist. Und wörtlich weiter: „Damit wird dem Fehlverhalten von Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern insgesamt Rechnung getragen.“

Lkw-Unfälle auf Autobahnen: Polizei soll mehr kontrollieren © Udo Hennes
Hartmut Ganzke ist Landtagsabgeordneter der SPD für Unna, Fröndenberg, Holzwickede und Schwerte. Fot ...
Kreispolizei kontrolliert Lkw schon länger

Diese Kontrollen seien für die Kreispolizeibehörde Unna aber nichts Neues, sondern würden von einer Einheit „Schwerlastverkehr und gewerblicher Güterverkehr“ des Verkehrsdienstes schon immer durchgeführt, sagt dazu Polizeisprecher Thomas Röwekamp. Zu beobachten regelmäßig etwa in einer Haltebucht an der B1 in Unna. Erst kürzlich seien Kollegen von der Kreispolizei aus Warendorf da gewesen, um sich das anzuschauen, so Röwekamp weiter. Bei den Kontrollen geht es um den Zustand des Fahrzeuges (technische Mängel, Überladung, Ladungssicherung) und des Fahrers (Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten).

Dauerhafte Lkw-Kontrollplätze

Um diese Kontrollen künftig besser durchführen zu können, prüfe das Land zudem die Einrichtung von landesweiten, dauerhaft angelegten Lkw-Kontrollplätzen, so Minister Reul. Dieser Prozess befinde sich aber noch in der Planungsphase. Gleichwohl gibt sich Reul bereits überzeugt, dass die Maßnahme zur „Eindämmung der Verkehrsunfälle beitragen“ werde.

Stauwarnanlagen, Tempolimits und Überholverbote

Zu dichtes Auffahren, Ablenkung, Unaufmerksamkeit oder sogar Schaulust, weil auf der Gegenfahrbahn schon ein Unfall passiert ist: Es gibt viele Gründe, die zum Crash auf der Autobahn führen können – und die genannten haben alle mit dem Menschen zu tun. Das persönliche Versagen des Fahrers kann die Polizei schlecht bekämpfen, doch natürlich gibt es für den Staat Mittel und Wege, Risiken zu senken – sei es durch Tempolimits oder andere Sicherungsmaßnahmen. Was das Land NRW auf den Autobahnabschnitten im Kreis Unna tut oder noch zu tun gedenkt, wollte der Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke ebenfalls wissen. Die Antwort beginnt mit einem Hinweis auf die Autobahn-Unfallkommission unter Federführung der Bezirksregierung Arnsberg, die Unfallhäufungsstellen bespreche und Maßnahmen einleite. Nicht nötig sei dies auf den Abschnitten der A44 und A45 im Kreisgebiet, da sie keine Unfallhäufungsstellen seien. Gleiches gelte für die A2 in Richtung Hannover.

Lkw-Unfälle auf Autobahnen: Polizei soll mehr kontrollieren © Michael Neumann
Rettungshubschrauber Christoph 8 ist gewissermaßen „Stammgast“ auf den Autobahnen. Foto: Neumann
Auf der A2 in Richtung Oberhausen machte die Kommission indes die Großbaustelle wegen der Fahrbahnsanierung als Grund für die gehäuften Unfälle aus, die bekanntlich seit Sommer 2017 fertig ist. Die Unfallentwicklung werde aber weiter beobachtet, da zurzeit noch eine Baustelle (Brückenerneuerung) in Höhe der Anschlussstelle Kamen/Bergkamen betrieben werde. Zur „nachhaltigen Verkehrssicherung“ seien eine verkehrsabhängige Stauwarnanlage, ein Abstandsgebot für Lkw-Fahrer in mehreren Sprachen sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen und ein Lkw-Überholverbot in beiden Fahrtrichtungen eingerichtet worden.

Unfallhäufungen bestehen freilich auch auf der A1 – sowohl in Richtung Bremen als auch in Richtung Köln. Das Ministerium verweist auf die sogenannten Streckenbeeinflussungsanlagen, die Autofahrer zum Beispiel vor Staus warnen. Außerdem sei fast der gesamte Streckenabschnitt zwischen dem Kamener Kreuz und dem Westhofener Kreuz mit einem Lkw-Überholverbot belegt. Die Unfallentwicklung werde weiter beobachtet, um bei Bedarf weitere Sicherungsmaßnahmen treffen zu können, heißt es seitens des Innenministers.

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