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Glückauf-Kaserne Unna-Königsborn

Entwarnung nach möglicher Bombe auf Kasernengelände in Unna

Von Anna Gemünd und Dirk Becker., 11.04.2018
Entwarnung nach möglicher Bombe auf Kasernengelände in Unna © Michael Neumann
Ein Streifenwagen versperrt den hinteren Bereich der Grillostraße. Die Anwohner müssen warten, bsi d ...

Auf dem Gelände der Glückauf-Kaserne in Königsborn ist eine verdächtiger, „rohrähnlicher“ Gegenstand gefunden worden. An der Grillostraße waren Anwohner von einer Evakuierung betroffen. Diese ist inzwischen aufgehoben worden. Wir berichteten im Live-Ticker.

Den Weg in den verdienten Feierabend versperrt ein Streifenwagen. Für so manchen Anwohner der Grillostraße ging es am Mittwochabend erst verspätet nach Hause: Auf dem angrenzenden Kasernengelände hat ein Mitarbeiter einen „rohrähnlichen Gegenstand“ gefunden – unmittelbar in der Nähe des Zaunes, der die Kaserne von dem Wohngebiet trennt. Für die Anwohner heißt das: Draußen bleiben, bis klar ist, worum es sich handelt. Drei Stunden zwischen bangem Warten und aufrichtigem Verständnis für die Evakuierung beginnen.

Ein älterer Herr hat Glück: Sein Haus liegt zwar in Sichtweite der Fundstelle des verdächtigen Objekts, doch er darf Zuhause bleiben, knapp liegt sein Haus außerhalb des abgesperrten Radius. Trotzdem steht er am Gartentor, plaudert mit den Nachbarn. „Die mussten raus aus ihrem Haus, wir nicht. Aber man will ja wissen, was hier los ist, also stehe ich hier.“

Die beiden Busse, die für die Anwohner bereitgestellt wurden, falls sie doch weiter vom Ort des Geschehens weggebracht werden müssen, nutzen längst nicht alle. Diejenigen, die Zuhause waren, als die Nachricht kam, dass sie ihre Häuser sicherheitshalber verlassen müssen, bleiben lieber nah dran. „Um 16 Uhr hieß es, ihr müsste alle raus. Jetzt schauen wir mal, wie lange das dauert“, erzählt eine Frau, die ebenfalls in der Gruppe am Gartentor steht.

Die Nachbarn spekulieren Wenige Meter davon entfernt blockiert ein Streifenwagen die Straße. Wer jetzt von der Arbeit nach Hause kommt, muss warten. „Was ist denn hier los?“, fragt ein junger Mann, der von einer Polizistin am Weitergehen gehindert wird. „Es wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden.“ „In meinem Haus?“ „Nein, auf dem Gelände der Kaserne“, beruhigt die Beamtin. Die Stimmung ist entspannt, wirklich große Sorgen scheint sich keiner der Anwohner zu machen. In Grüppchen stehen sie beisammen, diskutieren über das, was da wohl gefunden wurde. „Eine Weltkriegsbombe wird es wohl nicht sein. Das sehen die ja alles vorher auf Luftbildern“, meint der ältere Herr. Den Verdacht auf die Weltkriegsbombe zweifelt auch sein Nachbar an: „Die sind doch da schon so lange mit Bauarbeiten zugange, wieso sollten die da erst jetzt was finden?“

Dackel müssen umkehren Noch immer wollen Menschen die Absperrung passieren; ein Mann führt seine zwei Dackel aus und will an den Polizisten vorbei. Wieder spult die Polizistin ihre Erklärung ab: „Verdächtiger Gegenstand gefunden. Die Untersuchung läuft. Keiner darf in den abgesperrten Bereich.“ Der Mann zuckt die Schultern und dreht um. Die Gassi-Runde fällt heute kleiner aus.

Unter den Umstehenden hat es sich mittlerweile rumgesprochen, dass die Kampfmittel-Experten vor Ort sind. Aus Wuppertal, nicht aus Düsseldorf, wie es ursprünglich hieß. „Das ist mir doch egal, wo sie herkommen. Hauptsache, sie kommen und sind schnell mit ihrer Untersuchung“, sagt eine Anwohnerin. Sie sind schnell: Um kurz vor sieben kommt die Entwarnung: Bei dem verdächtigen Gegenstand handelt es sich um eine Attrappe. „Das kann alles sein, was einer Bombe ähnelt“, sagt Stefan Wittler von der Polizei. Herausragende Kabel und eine Rohrform sind sofort verdächtig.

Wie der Gegenstand, der weitestgehend offen und sehr nah am Zaun auf dem Gelände lag, auf das Kasernengelände gelangt sein könnte, ist an diesem Abend noch Spekulation. Für die Anwohner aber geht es nach drei Stunden Warten endlich nach Hause.

In unserem Live-Ticker können Sie den Verlauf des Einsatzes nachlesen:

  1. 19:28 Uhr11.04.2018Liveticker beendetDer Einsatz ist beendet, die Anwohner holen jetzt das Abendbrot nach und hiermit endet der Liveticker.
  2. 18:59 Uhr11.04.2018Die Bewohner können zurück in ihre HäuserWie uns Stefan Wittler von der Polizei vor Ort sagt, handelte es sich bei dem Verdächtigen Gegenstand offenbar um eine Attrappe. Dazu zähle alles, was ansatzweise nach einer Bombe aussieht. Die Bewohner der evakuierten Gebäude können jetzt zurück in ihre Gebäude.
  3. 18:56 Uhr11.04.2018Evakuierung ist aufgehobenDie Evakuierung ist in diesen Minuten aufgehoben
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Weil das LKA noch im Einsatz war, rückte die Bundesbehörde an

Einsätze wie der am Mittwoch auf dem Kasernengelände in Unna sind für die Bombenexperten der Polizei keine Seltenheit. Eigentlich sollte ein Entschärfungsteam des Landeskriminalamtes (LKA) aus Düsseldorf anrücken. Die Experten dort waren noch durch andere Einsätze gebunden.

„Wann das USBV-Team (Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung) kommt, steht noch nicht fest. Die haben mehrere Einsätze“, nahm Stefan Wittler von der Polizeidienststelle die Verzögerung gelassen hin. Er war vor Ort, um die Medienvertreter zu informieren. Die Experten, die dort im Einsatz sind, beschäftigen sich also mit allem, was zumindest auf den ersten Blick eine Bombe sein könnte. Im Fall der Glückauf-Kaserne war ein „rohrähnlicher Gegenstand“ gemeldet worden. Den galt es zu untersuchen.

Schließlich rückte aber gar nicht das LKA-Team an, sondern eines vom Bundeskriminalamt (BKA), das seinen Sitz in Wuppertal hat. Es konnte schneller als die Kollegen in Unna sein. Dass ein BKA-Team anrückte, bedeutet also nicht, dass eine besondere Gefahrenstufe erreicht wurde. Die Bombenexperten der Polizei arbeiten unabhängig von den Kampfmittelräumdiensten der Bezirksregierungen. Die rücken immer dann aus, wenn beispielsweise Weltkriegsbomben gefunden wurden und entschärft werden müssen. Der Verdacht, dass eine Weltkriegsbombe im Boden liegen könnte, gab es zuletzt am Westhemmerder Weg, der für mehrere Tage gesperrt wurde.

Auch in diesem Fall bestätigte sich der Bombenverdacht schließlich glücklicherweise aber nicht.

Kommentare

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Andreas Koch 12.04.201809:52 Uhr

Das hat ja mal geklappt. Der Apparat und die Alarmketten funktionieren. Das macht etwas ruhiger. Und an die Anwohner - Ja, dass mit der Evakuierung für eine im Nachhinein festgestellt Attrappe ist doof. Aber wenn das Ding scharf gewesen wäre und die Massnahmen nicht getroffen worden wären. Das Szenario möchte ich mir nicht ausmalen.


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