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20 Jahre Palliativzentrum Unna

Menschliche Nähe auf der Zielgeraden eines Lebens

Von Dirk Becker, 05.05.2018
Menschliche Nähe auf der Zielgeraden eines Lebens
Der persönliche Kontakt und die individuelle Betreuung der Kranken stehen beim Palliativzentrum Unna ...

Unna. Ein Pferd auf der Wiese vor dem Katharinen-Hospital – was undenkbar scheint, hat es tatsächlich schon geben. Einer sterbenden Patientin wollte das Team des Palliativzentrums Unna einen letzten Wunsch erfüllen. Die Pferdeliebhaberin fand an der Seite ihres Vierbeiners tatsächlich Ruhe und Gelassenheit. Drei Tage später war die Frau tot.

Der Gedanke an eine solche Szenerie mag viele Menschen traurig stimmen, für das Palliativzentrum des Katharinen-Hospitals ist das Beispiel eine Bestätigung. Eine Bestätigung dafür, die wohl beste Möglichkeit für die sterbende Patientin gefunden zu haben. Glück gegeben zu haben, wenn die Trauer übermächtig zu werden droht.

Dr. Boris Hait ist Leitender Oberarzt des Palliativzentrums Unna, das es inzwischen seit 20 Jahren gibt. Anlässlich dieses besonderen Geburtstags dankte er seinem Team in einer kleinen Feierstunde. Und er erinnerte an mehrere Patienten, die in Erinnerung geblieben sind. Alle mussten sterben, aber alle fanden auch ein Stück Glück auf der Zielgeraden ihres Lebens.

Menschliche Nähe auf der Zielgeraden eines Lebens © Dirk Becker
Bürgermeister Werner Kolter hat für die Stadt Unna die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und ste ...

„Wenn es noch eines Anstoßes zur Unterzeichnung dieses Dokumentes bedurft hätte, dann hätte die letzte Stunde mir eindrucksvoll vor Augen geführt, wie wertvoll Ihre Arbeit ist“, sagte Unnas Bürgermeister Werner Kolter, ehe er im Rahmen der kleinen internen Feierstunde die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ unterzeichnete. Unna ist bei weitem nicht die erste Stadt, die das tut. Fast 1800 Organisationen und Institutionen und mehr als 21.500 Einzelpersonen haben so bereits symbolisch gezeigt, dass sie die Palliativmedizin unterstützen.

„Das Palliativzentrum prägt unser Krankenhaus“, weiß Christian Larisch, Geschäftsführer des Katharinen-Hospitals. Er erinnerte an ein Zitat der Begründerin der Palliativmedizin, Cicely Saunders: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Saunders prägt das Wertebewusstsein des Palliativzentrums. Ihren letzten öffentlichen Vortrag hat die Britin ausgerechnet in Unna gehalten, 2001 beim 1. Palliativkongress in der Stadthalle.

1998 wurde die Palliativstation im Katharinen-Hospital eröffnet, in den Räumen der ehemaligen Dermatologie. Als dann der erste Patient kam, wollte das Team ihm alles so schön wie möglich machen. Doch der Todkranke wollte vor allem eines – seine Ruhe haben. Für das Team war es nicht leicht, den eigenen Drang, die letzten Lebenstage des Mannes aktiv mitgestalten zu wollen, sich aber zurückhalten zu müssen. Daran erinnert sich Stationsleitung Cordula Burgard, eine Frau der ersten Stunde.

Mit jedem neuen Patienten, der auf die Palliativstation kam, hat das Team auch neue wertvolle Erfahrungen gemacht, eine neue Perspektive entdeckt, wie Menschen mit dem nahenden Tod umgehen. Die medizinische Betreuung und insbesondere die Schmerztherapie machen nur einen Teil der Arbeit des Palliativzentrums aus. Es ist vor allem die Menschlichkeit, mit der Mediziner, Pflegekräfte und Ehrenamtliche jeden einzelnen Menschen individuell begleiten. Und das Beispiel mit dem Pferd zeigt: Es gibt fast kein Tabu.

Wie wichtig die Menschlichkeit in diesem Zusammenhang ist, zeigt ein weiteres Zitat von Cicely Saunders, das Dr. Boris Hait bemüht: „Ein Mensch soll nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines anderen Menschen sterben.“ Ein Grundsatz den auch das im vergangenen Jahr gegründete Hospiz verfolgt.

Das Hospiz ist eine der Früchte, die aus dem 1998 gestarteten Pilotprojekt Palliativstation erwachsen ist. An viele weitere erinnerten die Teammitglieder Cordula Burgard und Stefan Schröer bei der Feierstunde. Symbolisch wurden diese Früchte als Schilder an einen Apfelbaum gehängt, der später am Hospital gepflanzt wurde. Er wird wachsen – so, wie sich auch das Palliativzentrum weiterentwickeln wird.

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