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Ausstellung zu „Lost Places“

Ausstellung in Unna: Kunst in der Welt der vergessenen Orte

Von Dirk Becker, 13.06.2018
Ausstellung in Unna: Kunst in der Welt der vergessenen Orte © UDO HENNES
Henryk Brock fiebert seiner ersten Ausstellung entgegen. Am 1. Juli werden die „Zwischenwelten“ im A ...

Unna. Gemeinsam mit einem Freund besuchte Henryk Brock Anfang 2016 zum ersten Mal einen dieser sogenannten „Lost Places“. Ein besonderer Moment, der in dem Fotografen ein neues Feuer entfacht hat, denn seitdem ziehen ihn diese verlassenen und vergessenen Orte magisch an. Die Fotos, die er dort macht, bezeichnet er selbst als „Trophäen“, die Orte selbst lässt er unverändert.

Wer die Bilder sieht, schaut genau hin. Ist das eine Fotografie oder doch gemalt? Gibt es diesen Ort wirklich oder ist er eine Inszenierung? Henryk Brock freut sich, wenn die Betrachter sich so intensiv mit seinen Bildern beschäftigen. Dabei hatten bisher nur wenige eine Gelegenheit, die Fotos zu sehen.

Wenn am Sonntag, 1. Juli, um 11 Uhr die Ausstellung „Zwischenwelten“ im Arthaus Nowodworski an der Massener Straße 24 eröffnet wird, dann ist es das für den Fotografen neu. Eine eigene Ausstellung hat er bislang noch nicht gezeigt. An seiner Seite weiß er Frauke und Dietmar Nowodworski. Das Künstlerehepaar stellt ihm nicht nur einen Raum zur Verfügung, gemeinsam mit dem Autor Raimon Weber haben sie ihn auch inszeniert. Eine neue Wandfarbe, die Musik im Hintergrund, die Dekoration im Raum – all das soll die Bilder von Henryk Brock besonders intensiv wirken lassen.

Die Szenerien, die er mit seinen Fotografien abbildet, findet Henryk Brock vor allem in Deutschland. Besonders gerne aber geht er gemeinsam mit drei Freunden auf Abenteuerreise in Belgien. „Die Orte dort sind unberührter. In Deutschland wird viel zerstört“, hat der Fotograf großen Respekt vor den vom Verfall gekennzeichneten Orten. Entdeckt Brock einen solchen Ort oder bekommt er einen Tipp aus der Szene, stellt er ein Stativ auf. Mit der Kamera fotografiert er dann in der HDR-Technik. Dabei werden drei Bilder – eines stark über-, eines stark unter- und eines normal belichtet, miteinander verschmolzen. Die Folge ist, dass auch im Hintergrund der Szenerie viel zu entdecken ist – und die Farben leuchten besonders intensiv. Es mutet skurril an, was Brock entdeckt und für die Ewigkeit festgehalten hat. Ob der Gynäkologiestuhl einer verlassenen Praxis, der Steinway-Flügel, dessen Klaviatur kein Spiel mehr ermöglichen würde oder die Flasche Wein, die samt Gläsern auf dem Tisch steht, als ob jemand nur kurz den Raum verlassen habe – man mag kaum glauben, dass sich das alles wirklich so finden lässt.

„Jedes Bild erzählt eine Geschichte“, sagt Raimon Weber, der bei der Vernissage am 1. Juli einige einführende Worte sprechen wird. Der Kriminalautor weiß, dass jedes Bild die Vorlage für ein neues Buch sein könnte. Und auch das Ehepaar Nowodworski, das dem Motto „Sammeln von Sinnen“ folgt, ist angetan. Die Bilder passen perfekt in ihr Künstlerhaus, das sonst nur für eigene Ausstellungen zur Verfügung steht. Bis Ende des Jahres werden dort die mitreißenden Fotografien zu sehen sein, die auch zum Verkauf stehen. Geöffnet ist das Arthaus an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

An den „Lost Places“ gelten Regeln

Als „Lost Places“ werden Orte bezeichnet, die vergessen wurden und vom Verfall gekennzeichnet sind.

Auch an den „Lost Places“ gelten Regeln. So darf laut einem ungeschriebenen Gesetz der Szene nichts manipuliert oder zerstört werden. Schon das Berühren von Gegenständen ist eigentlich ein Tabu. Und: Türen, die verschlossen sind, bleiben auch verschlossen und werden nicht etwa aufgebrochen.

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