Bergkamen will Regenwasser künftig stärker dort zurückhalten, wo es anfällt. Die Stadt hat gemeinsam mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk, Emschergenossenschaft und Lippeverband den Start für einen klimaangepassten Umbau bekannt gegeben. Im Mittelpunkt stehen zunächst Bereiche in Weddinghofen/Mitte und Oberaden. Auch private Grundstückseigentümer können sich beteiligen.
Warum die Stadt beim Regenwasser umdenken will
Versiegelte Flächen leiten Niederschläge häufig rasch in die Kanalisation. Bei starkem Regen können die vorhandenen Leitungen dadurch besonders belastet werden. Das Konzept einer Schwammstadt setzt anders an: Regen soll auf geeigneten Flächen versickern, vorübergehend gespeichert oder über Vegetation verdunsten können. Begrünte Dächer, entsiegelte Höfe und Mulden sind dafür mögliche Bausteine.
Davon verspricht sich die Stadt zwei Vorteile: Eine Entlastung der Entwässerung bei Starkregen und mehr Verdunstungskühlung an warmen Tagen. Wie stark der Effekt an einzelnen Standorten ausfällt, hängt jedoch von Bodenverhältnissen, Fläche, Ausführung und Pflege ab. Eine Schwammstadt macht Überflutungen nicht grundsätzlich unmöglich.
Zwei Gebiete stehen zunächst im Mittelpunkt
Der Stadtrat hatte am 9. Juli 2026 die Gestaltungsräume Weddinghofen/Mitte und Oberaden beschlossen. In Weddinghofen/Mitte geht es um einen Bereich zwischen Erich-Ollenhauer-Straße und Rathausquartier; dort sollen nach städtischer Planung rund sieben Hektar befestigter Fläche von der unmittelbaren Ableitung in die Kanalisation abgekoppelt werden. In Oberaden betrifft die Planung rund zehn Hektar im Umfeld der Jahnstraße.
In Oberaden nennt die Stadt unter anderem die geplante Neugestaltung der Jahnstraße und die Umgestaltung der Außenanlagen der Realschule. „Abkoppeln“ bedeutet dabei nicht, dass Straßen oder Gebäude ohne Entwässerung bleiben. Vielmehr soll Regenwasser dort, wo es technisch möglich ist, anders bewirtschaftet werden als durch eine direkte Einleitung in den Kanal.
Welche Förderung für private Eigentümer vorgesehen ist
Für Eigentümerinnen und Eigentümer, Unternehmen sowie Einrichtungen innerhalb der beiden Gestaltungsräume ist nach den Angaben vom 15. Oktober eine Förderung ab Frühjahr 2027 vorgesehen. Das Land soll 60 Prozent förderfähiger Kosten übernehmen; durch Mittel des Lippeverbands soll der Zuschuss für private Maßnahmen auf bis zu 90 Prozent steigen. Die Genehmigung der Gestaltungsräume wurde zum Jahreswechsel erwartet. Daraus folgt: Die Förderung ist nicht mit einer bereits erteilten Zusage für ein bestimmtes Grundstück gleichzusetzen.
Gefördert werden sollen unter anderem Entsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Anlagen, in denen Regenwasser versickern kann. Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass Antrag und Förderzusage grundsätzlich vor Beauftragung beziehungsweise Umsetzung vorliegen müssen. Wer früher beginnt, sollte deshalb nicht von einer späteren Erstattung ausgehen.
Gründachprogramm gilt im gesamten Stadtgebiet
Unabhängig von den zwei Gestaltungsräumen nennt die Stadt das bereits verfügbare Programm „10.000 Grüne Dächer“. Darüber können Dachbegrünungen im Bergkamener Stadtgebiet nach ihren Angaben mit 50 Euro je Quadratmeter und höchstens 10.000 Euro je Grundstück unterstützt werden. Auch hier ist die Förderzusage vor Baubeginn entscheidend.
Für 2027 sind weitere Beratungsangebote, Workshops und Aktionen zur Beteiligung angekündigt. Wer eine Maßnahme plant, sollte deshalb zunächst prüfen, in welchem Fördergebiet das Grundstück liegt, welche technischen Voraussetzungen gelten und ob die entsprechende Förderung zum Zeitpunkt des Antrags tatsächlich offensteht.


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