Bei einem Stromausfall fallen nicht nur Lampen und Steckdosen aus. Je nach Dauer können auch Heizung, Warmwasser, Internet, Mobilfunk, Kartenzahlung oder Teile der Wasserversorgung betroffen sein. Eine sinnvolle Stromausfall-Vorsorge soll deshalb einen Haushalt für mindestens drei Tage handlungsfähig machen und lässt sich schrittweise auf zehn Tage erweitern.
Akut gilt: zuerst den Umfang der Störung prüfen, Taschenlampen verwenden, Kühlgeräte geschlossen halten und empfindliche Elektrogeräte ausschalten. Grills oder andere nicht für Innenräume zugelassene Verbrennungsgeräte dürfen keinesfalls in Wohnungen, Häusern oder Garagen betrieben werden.
Wie wahrscheinlich ist ein längerer Stromausfall?
Die Stromversorgung in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr zuverlässig. Für das Berichtsjahr 2024 weist die Bundesnetzagentur eine durchschnittliche ungeplante Unterbrechungsdauer von 11,7 Minuten je angeschlossenem Letztverbraucher aus. Im Jahr zuvor waren es 12,8 Minuten.
Dieser Durchschnittswert sagt allerdings wenig über einen konkreten Haushaltsnotfall aus. In die Kennzahl fließen nur bestimmte ungeplante Unterbrechungen von mehr als drei Minuten ein. Geplante Abschaltungen und Ereignisse höherer Gewalt werden nicht vollständig erfasst. Ein lokaler Ausfall infolge eines beschädigten Kabels, eines Unwetters oder eines technischen Defekts kann daher erheblich länger dauern als der statistische Mittelwert.
Die Bundesnetzagentur hält großflächige Störungen für sehr unwahrscheinlich. Haushaltsvorsorge ist somit keine Reaktion auf einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Blackout. Sie hilft vielmehr bei unterschiedlichen Notlagen, darunter örtliche Stromausfälle, Unwetterschäden oder vorübergehende Versorgungsstörungen.
Was unmittelbar nach dem Stromausfall zu tun ist
Zunächst ist zu klären, ob nur ein einzelner Raum, die eigene Wohnung oder ein größeres Gebiet betroffen ist. Funktioniert das Licht im Treppenhaus noch oder haben Nachbarhäuser weiterhin Strom, liegt die Ursache möglicherweise in der eigenen Elektroinstallation. Dann können im Sicherungskasten die Leitungsschutzschalter und der Fehlerstromschutzschalter kontrolliert werden.
Ein ausgelöster Schalter sollte nicht wiederholt eingeschaltet werden, wenn er sofort erneut abschaltet. Das kann auf einen Fehler an einem Gerät oder in der Installation hindeuten. Verdächtige Geräte sind vom Netz zu trennen. Bei unklarer Ursache ist eine Elektrofachkraft zuständig; eigenmächtige Arbeiten an Leitungen oder am Verteiler sind gefährlich.
Sind auch das Haus oder die Nachbarschaft dunkel, ist für die Störungsmeldung grundsätzlich der örtliche Netzbetreiber zuständig. Er betreibt die Leitungen und ist nicht zwingend mit dem Unternehmen identisch, von dem der Haushalt seine Stromrechnung erhält. Die Störungsnummer sollte vorsorglich auf Papier notiert werden, weil Router und Internetsuche ohne Strom nicht zuverlässig funktionieren.
Computer, Fernseher und andere empfindliche Geräte sollten ausgeschaltet oder vom Netz getrennt werden. So lässt sich das Risiko von Problemen beim Wiederkehren der Spannung verringern. Eine Lampe kann eingeschaltet bleiben: Sie zeigt an, wann die Versorgung wiederhergestellt ist. Herdplatten, Bügeleisen und andere Wärmegeräte müssen dagegen kontrolliert ausgeschaltet werden, damit sie nicht unbemerkt anlaufen.
Licht, Information und Kommunikation vorbereiten
Mehrere LED-Taschenlampen sind für einen Haushaltsnotfall zweckmäßiger als eine einzelne Leuchte. Sie sollten an festen, leicht erreichbaren Stellen liegen, damit niemand im Dunkeln danach suchen muss. Passende Ersatzbatterien gehören daneben, sollten aber regelmäßig auf Alter und Beschädigungen kontrolliert werden.
Geladene Powerbanks verlängern die Nutzungsdauer von Mobiltelefonen. Sie ersetzen jedoch keinen vollständigen Informationsweg, denn Mobilfunknetze können überlastet sein oder bei längeren Ausfällen ebenfalls beeinträchtigt werden. Ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio ermöglicht den Empfang behördlicher Hinweise unabhängig von Router und WLAN. Auch ein Autoradio kann eine Rückfallebene sein, sofern es gefahrlos erreichbar ist.
Auf Papier gehören die Rufnummern des Netzbetreibers, wichtiger Angehöriger, der Arztpraxis, des Pflegedienstes und gegebenenfalls des Geräteanbieters medizinischer Hilfsmittel. Bargeld in kleiner Stückelung ist ebenfalls sinnvoll, weil Geldautomaten, Kassensysteme und Kartenterminals ausfallen können.
Kerzen sind nur eine ergänzende Lichtquelle. Taschenlampen sind vorzuziehen, weil sie keine Brandgefahr durch offene Flammen verursachen. Wer Kerzen nutzt, muss sie standsicher und mit Abstand zu Vorhängen, Papier und anderen brennbaren Gegenständen aufstellen. Sie dürfen weder unbeaufsichtigt bleiben noch in die Nähe von Kindern oder Haustieren gelangen. Regelmäßiges Lüften bleibt erforderlich.
Notvorrat: drei Tage als Einstieg, zehn Tage als Ziel
Beim Umfang eines Notvorrats unterscheiden sich die Empfehlungen in ihrer Gewichtung. Die Verbraucherzentrale nennt eine Versorgung für drei bis fünf Tage. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, möglichst zehn Tage selbstständig überbrücken zu können, bezeichnet aber bereits drei Tage als hilfreichen Einstieg. Praktikabel ist daher ein stufenweiser Aufbau: zunächst mindestens drei Tage absichern und den Vorrat anschließend nach Möglichkeit auf zehn Tage erweitern.
Der BBK-Ratgeber nennt idealerweise zwei Liter Wasser pro Person und Tag. Davon ist ein halber Liter zum Kochen vorgesehen. Für einen dreiköpfigen Haushalt ergibt das bereits 18 Liter für drei Tage. Säuglinge, kranke Menschen, besondere Ernährungsbedürfnisse und Haustiere können den Bedarf erhöhen.
Geeignet sind Lebensmittel, die ohne Kühlung haltbar und möglichst auch kalt verzehrbar sind. Dazu zählen je nach persönlicher Ernährung beispielsweise Konserven, Nüsse, Trockenfrüchte, Zwieback oder Müsliriegel. Ein manueller Dosenöffner wird leicht vergessen. Wer ausschließlich Lebensmittel einlagert, die lange gekocht werden müssen, schafft sich bei einem Ausfall von Elektro- oder Gasherd ein zusätzliches Problem.
Vorräte sollten Teil des normalen Haushaltsverbrauchs bleiben. Wer regelmäßig ältere Produkte verbraucht und ersetzt, vermeidet unnötige Kosten und Lebensmittelabfälle. Dabei sind Allergien, Unverträglichkeiten und individuelle Diäten zu berücksichtigen. Ergänzend gehören folgende Dinge in die Vorsorge:
- persönlich benötigte Medikamente und medizinische Verbrauchsmaterialien,
- Erste-Hilfe-Ausstattung und notwendige Hygieneartikel,
- warme Kleidung, Decken und gegebenenfalls Schlafsäcke,
- Tierfutter, Wasser und Medikamente für Haustiere,
- Ersatzbatterien, Powerbanks und geeignete Ladeleitungen,
- ein batteriebetriebenes Radio sowie wichtige Unterlagen und Kontaktdaten.
Die Trinkwasserversorgung kann während eines Stromausfalls weiterarbeiten, sie ist jedoch nicht unter allen Umständen garantiert. Pumpen, Druckerhöhungsanlagen oder örtliche technische Einrichtungen können betroffen sein. Ein eigener Wasservorrat ist deshalb ein zentraler Teil der Haushaltsvorsorge.
Kühl- und Gefriergut richtig behandeln
Kühlschrank und Gefriergerät sollten möglichst geschlossen bleiben. Jedes Öffnen lässt warme Raumluft einströmen und verkürzt die Zeit, in der niedrige Temperaturen gehalten werden. Eine pauschale Aussage wie „Lebensmittel bleiben noch eine bestimmte Zahl von Stunden sicher“ ist unseriös: Entscheidend sind Gerätetyp, Füllstand, Ausgangstemperatur, Raumtemperatur, Dauer des Ausfalls und die Art des Lebensmittels.
Nach Wiederherstellung der Versorgung sind besonders leicht verderbliche Produkte sorgfältig zu beurteilen. Auffälliger Geruch, veränderte Konsistenz oder eine beschädigte Verpackung sind Warnzeichen. Umgekehrt beweisen unauffälliges Aussehen und Geruch nicht bei jedem Lebensmittel, dass es gesundheitlich unbedenklich ist. Im Zweifel sollten empfindliche Produkte entsorgt werden. Herstellerhinweise und die jeweiligen Anforderungen an die Lagertemperatur bleiben maßgeblich.
Bei niedrigen Außentemperaturen kann eine vorübergehende Lagerung im Freien möglich sein. Lebensmittel müssen dort jedoch vor Sonne, Schmutz, Feuchtigkeit und Tieren geschützt sein. Ein Balkon ist nicht automatisch ein verlässlicher Kühlschrank: Temperaturen schwanken und können tagsüber deutlich steigen oder unter den zulässigen Bereich fallen.
Grill und Campingkocher können in Innenräumen tödlich sein
Eine der wichtigsten Sicherheitsregeln lautet: Holzkohle- und Gasgrills gehören nicht in Wohnungen, Häuser oder Garagen. Bei der Verbrennung kann Kohlenmonoxid entstehen. Das Gas ist farb- und geruchlos und kann unbemerkt schwere Vergiftungen oder den Tod verursachen. Ein geöffnetes Fenster macht den Betrieb nicht sicher.
Auch Campingkocher, Heizstrahler und improvisierte Feuerstellen dürfen nur entsprechend ihrer Zulassung und Bedienungsanleitung eingesetzt werden. Ein Gerät für den Außenbereich wird durch Lüften nicht zu einem sicheren Innenraumgerät. Alternative Heizquellen sollten fachgerecht beurteilt oder installiert sein. Das BBK nennt bei gasbetriebenen Heizquellen eine Sauerstoffmangel- und Zündsicherung als wichtige Merkmale und empfiehlt einen Kohlenmonoxid-Warnmelder.
Bei Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung müssen alle Personen den Gefahrenbereich verlassen und der Notruf 112 verständigt werden. Mögliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Benommenheit sind nicht spezifisch und dürfen in Verbindung mit einer Feuerungsquelle dennoch nicht verharmlost werden.
Medizinische Geräte erfordern einen eigenen Notfallplan
Für Menschen, die auf elektrisch betriebene Medizin- oder Pflegegeräte angewiesen sind, reicht ein allgemeiner Haushaltsvorrat nicht aus. Vorab sollte mit Arztpraxis, Pflegedienst, Geräteanbieter oder zuständigem Versorger geklärt werden, wie lange Akkus tatsächlich halten, welche Ersatzstromlösung vorgesehen ist und wohin die betroffene Person bei einem längeren Ausfall gebracht werden kann.
Akkulaufzeiten sind gerätespezifisch und können vom Zustand des Akkus sowie von der Nutzung abhängen. Ein einzelner geladener Akku ist deshalb kein belastbarer Notfallplan für eine Störung unbekannter Dauer. Notwendige Telefonnummern, Bedienhinweise, Medikamente und Verbrauchsmaterialien sollten so aufbewahrt werden, dass sie auch bei Dunkelheit schnell erreichbar sind.
Auch Haushalte mit pflegebedürftigen Menschen, Säuglingen oder Haustieren benötigen angepasste Vorräte und mögliche Ausweichorte. Wer in einem oberen Stockwerk wohnt, sollte bedenken, dass Aufzüge ausfallen können. Bei einem erkennbaren Stromausfall oder einer behördlichen Warnung sollten sie nicht mehr benutzt werden.
Wann der Notruf 112 richtig ist
Der Notruf ist für Brände, medizinische Notfälle und andere akute Gefahren vorgesehen. Dazu können auch eingeschlossene Menschen in einem Aufzug gehören. Eine bloße Stromstörung ist dagegen kein Notfall für die Leitstelle und sollte dem Netzbetreiber gemeldet werden.
Behördliche Warnungen und örtliche Anweisungen haben Vorrang vor allgemeinen Ratschlägen. Kommunale Anlaufstellen und Informationswege unterscheiden sich regional. Deshalb ist es sinnvoll, sich bereits vor einer Störung mit den lokalen Warnmöglichkeiten vertraut zu machen, statt im Ausfall erst nach Zuständigkeiten zu suchen.
Eine kurze Checkliste für den Haushaltsnotfall
- Mehrere Taschenlampen, Ersatzbatterien und geladene Powerbanks bereithalten.
- Radio, Papierliste wichtiger Nummern und Bargeld griffbereit aufbewahren.
- Wasser und kalt verzehrbare Lebensmittel zunächst für drei Tage einplanen.
- Den Notvorrat nach Möglichkeit schrittweise auf zehn Tage erweitern.
- Medikamente, Hygieneartikel, Tierbedarf und warme Kleidung ergänzen.
- Beim Ausfall zuerst Wohnung, Sicherungskasten und Umgebung prüfen.
- Empfindliche Geräte trennen, Wärmegeräte sicher ausschalten und Kühlgeräte geschlossen halten.
- Grills und nicht zugelassene Verbrennungsgeräte niemals in Innenräumen verwenden.
- Für medizinische Geräte einen individuell abgestimmten Ersatzstrom- und Ausweichplan erstellen.
- Die 112 ausschließlich bei akuter Gefahr oder einem medizinischen Notfall wählen.
Gute Stromausfall-Vorsorge besteht nicht aus möglichst vielen Spezialprodukten, sondern aus einer belastbaren Grundausstattung und klaren Abläufen. Licht, Information, Wasser, geeignete Lebensmittel und individuell benötigte Medikamente decken die wichtigsten Bedürfnisse ab. Besonders wirksam ist ein Plan dann, wenn alle Haushaltsmitglieder wissen, wo die Ausrüstung liegt und was bei einer längeren Unterbrechung zu tun ist.


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