Trotz eines regional überdurchschnittlich nassen Oktobers blieb das Wasserwirtschaftsjahr 2026 in den Gebieten von Lippeverband und Emschergenossenschaft deutlich zu trocken.
Die Messstation am Hafenamt in Hamm hat im Oktober 2026 insgesamt 72,0 Millimeter Niederschlag registriert. Das war der niedrigste Monatswert unter den Stationen im Gebiet von Emschergenossenschaft und Lippeverband. Dennoch war der Oktober in beiden Verbandsgebieten insgesamt deutlich nasser als im langjährigen Mittel.
Die Monatsbilanz beendet damit eine seit Juni anhaltende Folge zu trockener Monate. Das gesamte Wasserwirtschaftsjahr von November 2025 bis Oktober 2026 weist nach Angaben der beiden Wasserwirtschaftsverbände jedoch weiterhin ein erhebliches Niederschlagsdefizit auf.
72 Liter Regen pro Quadratmeter am Hafenamt
Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter. An der Station Hamm-Hafenamt fielen im Oktober somit rechnerisch 72 Liter pro Quadratmeter. Den höchsten Stationswert im Messgebiet verzeichnete das Regenüberlaufbecken am Frohnhauser Weg in Mülheim an der Ruhr mit 127,1 Millimetern.
Die beiden Werte zeigen, wie unterschiedlich Niederschlag innerhalb einer Region verteilt sein kann. Aus dem niedrigsten Stationswert lässt sich zudem nicht ableiten, dass der Oktober am Hafenamt gemessen an einem dortigen langjährigen Vergleichswert zu trocken war. Für diesen konkreten Vergleich liegt in der veröffentlichten Bilanz kein stationsbezogener Mittelwert vor.
Für das gesamte Lippe-Gebiet errechnete der Lippeverband ein Gebietsmittel von 91,2 Millimetern. Das langjährige Oktobermittel beträgt 62 Millimeter. Im Emscher-Gebiet wurden durchschnittlich 106,0 Millimeter gemessen, gegenüber einem langjährigen Mittel von 65 Millimetern.
Nasser Oktober gleicht Jahresdefizit nicht aus
Das Wasserwirtschaftsjahr folgt dem jahreszeitlichen Wasserkreislauf und reicht vom 1. November bis zum 31. Oktober. Im Lippe-Gebiet summierte sich der Niederschlag im Wasserwirtschaftsjahr 2026 auf 628 Millimeter. Das entspricht 82 Prozent des langjährigen Mittels von 766 Millimetern. Seit Beginn der für diese Rangfolge herangezogenen Aufzeichnungen im Jahr 1931 war es dort das 16.-trockenste Wasserwirtschaftsjahr.
Im Emscher-Gebiet wurden 637 Millimeter erreicht, also 80 Prozent des langjährigen Mittels von 799 Millimetern. Damit belegte das Jahr Rang elf unter den trockensten Wasserwirtschaftsjahren seit 1931.
Zum Defizit trugen sowohl das Winter- als auch das Sommerhalbjahr bei. Besonders niederschlagsarm waren nach der Auswertung unter anderem November, Dezember und April sowie die Sommermonate Juni, Juli und August. Überdurchschnittliche Regenmengen im Mai und Oktober konnten den zuvor entstandenen Rückstand nur teilweise verringern.
Warum Trockenheit und Überflutungsgefahr zusammenhängen
Ein niederschlagsreicher Einzelmonat beseitigt die Folgen längerer Trockenphasen nicht automatisch. Entscheidend sind neben der Gesamtmenge auch die zeitliche Verteilung, die Intensität des Regens sowie die Aufnahmefähigkeit von Böden. Stark ausgetrocknete oder versiegelte Flächen können Wasser bei kräftigen Niederschlägen nur eingeschränkt aufnehmen. Dann fließt ein größerer Anteil oberirdisch ab.
Längere Trockenheit kann zugleich niedrige Wasserstände und ungünstige Bedingungen in Bächen und Flüssen begünstigen. Emschergenossenschaft und Lippeverband sehen deshalb in der dezentralen Speicherung, Versickerung und Ableitung von Regenwasser einen wichtigen Bestandteil klimaangepasster Stadtentwicklung.
Die Oktoberwerte markieren somit eine kurzfristige Entspannung, aber keine ausgeglichene Jahresbilanz. Für die wasserwirtschaftliche Bewertung ist nicht der einzelne Stationswert in Hamm ausschlaggebend, sondern das Zusammenspiel aus Niederschlag, Bodenfeuchte, Gewässerständen und langfristiger Verteilung im gesamten Einzugsgebiet.
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